Hochwasser: Entwarnung in Südfrankreich

29. Dezember 2003, 17:24
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Milliardenschäden befürchtet - 60.000 von Trinkwasserversorgung abgeschnitten

Marseille/Orleans - Sechs Tage nach Beginn der sintflutartigen Regenfälle mit sieben Toten hat sich die Lage in den südfranzösischen Überschwemmungsgebieten entspannt. Für das gesamte Rhone-Gebiet wurde der Alarmzustand für Helfer und Retter aufgehoben. Dagegen stieg in Westfrankreich das Wasser der Loire. Dort waren am Sonntag zwischen Orleans und Angers 60.000 Menschen von der Trinkwasserversorgung abgeschnitten. An diesem Montag sollte das Wasser allerdings wieder zurückgehen.

Dank des pausenlosen Einsatzes deutscher Helfer vom Technischen Hilfswerk (THW) sank in der südfranzösischen Stadt Arles das Hochwasser. Die Einsatzkräfte pumpten große Wassermengen aus den noch überschwemmten Stadtgebieten. Insgesamt sind 850 THW-Experten mit 231 Fahrzeugen im Einsatz. Es dürfte noch etwa zehn Tage dauern, bis die 18 Millionen Kubikmeter Wasser abgepumpt sind und die Bewohner mit den Aufräumarbeiten beginnen können. In Nimes fließt wieder Wasser aus den Hähnen, doch muss Trinkwasser immer noch in Flaschen ausgegeben werden. Vor improvisierten Büros in Ämtern und Rathäusern bildeten sich lange Schlangen von Menschen, die Versicherungsschäden melden wollten.

Deiche brüchig

Das System des Deichschutzes im Rhone-Delta sollte "neu überdacht werden", sagte am Sonntag der Präfekt der Region Provence Alpes-Cote-d'Azur, Christian Fremont. Viele der Deiche auf 250 Kilometern Länge "sind alt und andere sind in schlechtem Zustand. Die jetzige Flut hat sie noch brüchiger werden lassen".

Die wirtschaftlichen Folgen dieser Flut, die Wohnhäuser, Industriebetriebe und landwirtschaftliche Unternehmen unter Wasser setzte, könnten in die Milliarden gehen. Die Kosten "dürften sehr viel höher liegen als nach den Überschwemmungen der vergangenen Jahre", sagte ein Sprecher der Handelskammer in Arles.

Allein für Arles wurde der Schaden auf 200 Millionen Euro geschätzt. Zum Vergleich hatten die Überschwemmungen 2002 in sechs Departements Südfrankreichs nach Angaben von Versicherungen Schäden in Höhe von 1,2 Milliarden Euro verursacht.

Nach dieser Flutkatastrophe galt eine weitere Sorge der Behörden am Sonntag der ersten Kältewelle des Winters mit Minustemperaturen. In Straßburg, Lille und anderen Städten hat das Rote Kreuz seine Mitarbeiter mobilisiert, um Obdachlosen warme Mahlzeiten, Decken und Notunterkünfte bereitzustellen. (APA/dpa)

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    193 Gefängnisinsassen mussten in Arles am Freitag evakuiert werden.

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