"Forscherinnen ziehen ganz gut nach"

6. Dezember 2003, 10:53
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Lehrgänge für Nachwuchs- wissenschafterinnen beseitigen die persönlichen Barrieren von Frauen

An den Unis, Forschungs- und höheren Bildungsinstituten Europas stellen die Frauen ein Drittel der ForscherInnen - besetzen aber nur 13,2 Prozent der Führungspositionen. Nur in Portugal und Finnland, so die EU-Überblicksstudie "She Figures", kommen mehr als zwei Frauen auf zehn Männer in akademischen Toppositionen. Österreich bildet das EU-Schlusslicht: Nur 6,6 Prozent der Uni-ProfessorInnen sind Frauen.

"Man hat hierzulande einfach lange Zeit die Nachwuchsförderung vernachlässigt", sagt Ada Pellert vom Institut für interdisziplinäre Forschung und Fortbildung (IFF). Doch mittlerweile tue sich einiges: "Wir ziehen ganz gut nach", glaubt sie. In Graz ging gerade der dritte Lehrgang für Nachwuchswissenschafterinnen zu Ende, in Wien ein Mentoringprojekt. Nun starten auch die Unis Linz und Salzburg mit "karrierelinks" einen gemeinsamen Lehrgang für Nachwuchswissenschafterinnen.

14 Forscherinnen - je sieben aus Salzburg und Linz - werden über Seminare und Einzelcoaching in Präsentation, Rhetorik, Führung und Karriereplanung ausgebildet.

"Es geht darum, dass man sich die Frage stellt, ,Wo stehe ich jetzt, und wo will ich hin'", erklärt die Projektkoordinatorin Maria Buchmayr.

Die Erfahrungen in Graz sind ermutigend: "Insgesamt sind wir hochzufrieden", sagt Pellert, die als Vizerektorin an der Gründung des Lehrganges "Frauen an der Universität" beteiligt war.

Rückenwind

"Der Lehrgang hat den Frauen beruflich ausgesprochen genuggetan." Die Inhalte hätten den Teilnehmerinnen geholfen, sich zu konzentrieren und sich über ihre Ziele klar zu werden. Auch ein gewisses Selbstbewusstsein und "Expertentum" sei wichtig, denn "gerade junge Frauen neigen dazu, ihr Licht unter den Scheffel zu stellen - und das ist im Wissenschaftsbetrieb tödlich", so Pellert.

Doch neben den persönlichen verhindern auch strukturelle Barrieren den Aufstieg in die Führungsetagen. Beispielsweise liegen die Erfolgsraten von Frauen bei Anträgen für Forschungsmittel signifikant unter denen der Männer: Während 52 Prozent der Antragsteller in Österreich Forschungsmittel erhalten, sind es nur 41 Prozent der weiblichen, so die EU-Studie. Der Frauenanteil in den Gremien, die über die Vergabe entscheiden, liegt in Österreich bei elf Prozent. In Finnland sind die Gremien zu 47 Prozent mit Frauen besetzt. Anträge von Frauen werden hier öfter genehmigt als die ihrer männlichen Kollegen.

Bei Seilschaften haben Frauen hierzulande noch immer einen Nachteil, sagt Buchmayr. Durch Mentoringprogramme und Frauenlehrgänge werden jedoch bewusst interdisziplinäre Netzwerke gebildet. Die sich an der Uni Graz auch erhalten haben, so Pellert: Es gab gemeinsame Publikationen, Seminare und Konferenzen. "Da ist wirklich ein Stück Organisationsentwicklung gelungen."

Um jedoch nachhaltige Erfolge zu erreichen, müssen derartige Initiativen in die Personalentwicklung und Uni-Kultur integriert werden, betont das Wiener Projektzentrum Frauenförderung in ihrem Abschlussbericht über das Mentoringprojekt.

In Linz will man dies berücksichtigen: "Neben den Seminaren für Nachwuchswissenschafterinnen und Studentinnen bieten wir Gendertrainings für Führungskräfte an", erzählt Buchmayr. Von den Salzburger und Linzer Rektoren und Vizerektoren abwärts sollen die Führungsebenen für Genderverhältnisse sensibilisiert werden. Und da auch diese Trainings uniübergreifend stattfinden, können auch gleich Netzwerke geknüpft werden. (Heidi Weinhäupl, DER STANDARD, Print-Ausgabe vom 6./7.12.2003)

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    Eine EU-Studie belegt: Die Erfolgsraten von Frauen (41 Prozent) sind bei Anträgen für Forschungsmittel signifikant unter denen der Männer (52 Prozent)
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