Keine Palästinenser-Waffenruhe

10. Dezember 2003, 10:32
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Premier Korei setzt Bemühungen fort - Olmert empfiehlt Rückzug

Mit einer Gewaltverzichtserklärung und Verhandlungsvollmachten von allen palästinensischen Fraktionen in der Hand hatte Ahmed Korei vor seinen israelischen Kollegen Ariel Sharon hintreten und Konzessionen verlangen wollen. Jetzt muss der neue Palästinenserpremier sein Konzept umdrehen und versuchen, zunächst von Sharon ein Angebot zu bekommen, das die Hamas dann "studieren" werde.

Denn nach viertägigen, zum Teil stürmischen innerpalästinensischen Beratungen in Kairo war es am Sonntag nicht gelungen, auch nur ein gemeinsames Kommuniqué zu produzieren - trotz des Drucks der ägyptischen Vermittler waren die selbstbewussten radikalen Gruppen nicht bereit, einer umfassenden Waffenruhe zuzustimmen.

"Zivilisten verschonen"

"Wir sollten die Zivilisten in allen besetzten Gebieten verschonen", hatte Hamas-Vertreter Mohammed Nasal erklärt und damit gemeint, dass die Hamas zwar unter gewissen Umständen die Selbstmordanschläge in Israel einstellen würde, doch Soldaten und Siedler im Westjordanland und im Gazastreifen weiterhin attackieren will. Die Israelis sehen sich dadurch in ihrer Auffassung bestätigt, dass Korei die Hamas nicht als Verhandlungspartnerin umgarnen, sondern auflösen sollte: Israel werde "bei allem Willen zu einer Waffenruhe kein Teil eines Abkommens" mit der Hamas sein, sagte Sharon, aber "wenn es Ruhe und keinen Terror geben wird, wird Israel alle Anstrengungen unternehmen, militärische Aktionen zu unterlassen".

Viele Nachbeben hatte das Interview des als Falken geltenden Vizepremiers Ehud Olmert, der überraschend einen weit reichenden einseitigen Rückzug empfohlen und damit angezeigt hatte, dass etwas in Bewegung gerät. "Ich habe ausgesprochen, was die Mehrheit der Likud-Leute denkt", antwortete Olmert auf die geharnischte Kritik vom rechten Regierungsflügel. Nun rätseln alle, ob Olmert im Auftrag Sharons einen Versuchsballon steigen ließ oder sich als Nachfolger Sharons zu positionieren versucht. (DER STANDARD, Printausgabe, 9.12.2003)

Ben Segenreich aus Tel Aviv
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