Mit Dagobert Duck im Pool

12. Dezember 2003, 19:58
20 Postings

Was haben erfolgreiche Wirtschaftskapitäne mit der weltberühmten Ente gemeinsam? - Kolumne von Antonella Mei-Pochtler

Benetton - Nummer 65 in der Forbes-Liste - erwirtschaftet seine Umsätze längst nicht mehr nur mit Pullovern, sondern mit Raststätten, Sportartikeln, Supermärkten, Versicherungen, Autobahnen und Bahnhöfen.

Richard Branson - Forbes-Rang 236 - hat seit der Eröffnung seines Musikshops 1971 mehr als 200 Firmen aufgebaut und etliche wieder abgestoßen; heute reicht sein Portfolio vom Brautkleid bis zur Bank. Li Ka-Shing, Tycoon aus Hongkong, vereint unter seinem Konzern Hutchison Whampoa Häfen, Hotels und Handys. Mit einem Vermögen von 15 Mrd. Dollar gehört er zu den 10 reichsten Männern der Welt.

Wie Dagobert Duck haben sie ein feines Näschen für gute Geschäfte: Flexibel, opportunistisch und schnell steigen sie in lukrative Märkte ein, genauso schnell wieder aus. Profit Pools systematisch zu identifizieren und auszuschöpfen ist kein Privileg entscheidungsstarker Unternehmer, sondern kann erlernt werden:

1 Trends als erste erschnüffeln: Die Kunst besteht darin, die Eintagsfliege als solche zu erkennen und sich auf nachhaltige Entwicklungen zu fokussieren. Wer Gewinnquellen anzapfen will, der darf nicht aus der Vergangenheit extrapolieren, sondern muss immer wieder aufs Neue gesellschaftliche und wirtschaftliche Entwicklungen antizipieren und danach handeln: So hat Swarovski die neue Liebe zum Luxus früh erkannt und setzt mit großem Erfolg auf konsequentes Trading-Up in der Modebranche. Medion und Gericom sind im PC-Geschäft durch konsequentes Trading-Down erfolgreich, Sony und Dell setzen im Vertrieb auf das starke Markenvertrauen ihrer Kunden.

2 Hinter klassische Segmente schauen: Eine differenzierte Sicht der Verhaltensweisen und Motivationen eigener und fremder Kunden eröffnet zahlreiche Ansätze für innovative Geschäftsmodelle. So erkannte die Supermarktkette Tesco die durch Banken eingeschüchterte Zielgruppe als lukrativ und wachstumsstark. 300 Mio. Pfund Ertrag erzielen sie nun mit Finanzprodukten. Virgins Erfolg mit Versicherungen und Mobilfunk baut explizit auf Kunden, die bislang schlecht bedient wurden. Und Whirlpool landete zahlreiche Verkaufshits mit spezifischen Produkten für die stressgeplagte und anerkennungshungrige Hausfrau. So wie Tchibo vor allem die weibliche Neugierde durch praktische Alltagsgegenstände zu überraschend günstigen Preisen ausschöpft.

3 Geschäftsmodell radikal anpassen: Trends zu erkennen ist der erste Schritt. Gewinne sprudeln aber nur dann, wenn sie mit wettbewerbsfähigen Geschäftsmodellen erschlossen werden. Während die etablierten Airlines unter dem Lowcost-Trend leiden, blühen Easyjet & Co. dadurch auf: Mit bis zu 70 Prozent strukturell bedingten, niedrigeren Kosten fliegen sie zunehmende Gewinne ein. So wie Red Bull, die mit einem revolutionären Vertriebskonzept und durch gezieltes Sponsoring von Szenesportarten eine Erfolgsmischung gebraut haben: die Umsätze steigen pro Jahr um 41Prozent.

Die Suche nach Profit Pools ist nicht neu: Seit über 100 Jahre beweist General Electric - ein Paradebeispiel für Innovationsfähigkeit und Geschäftssinn -, dass sich die kontinuierliche Suche nach neuen Gewinnquellen lohnt. Mehr als 70.000 Patente hat GE alleine in den USA angemeldet und es ist heute das teuerste Unternehmen der Welt. Erfinder-Weltmeister Thomas Alva Edison hat GE das Dagobert-Gen eingepflanzt. Branson und Benetton müssen es ihren Firmen ebenfalls vererben - und wir können von diesen Erfolgsanlagen lernen. (DER STANDARD Printausgabe, 06.12.2003)

Nachlese

->Arme Alma (Mater)
->Von Tauben und Falken
->Der Preis ist heiß
->Fastfood fürs Gehirn
->Der "Seele" auf der Spur
->Ein amerikanischer Traum
->Die Kraft der Liebe
->Volkstheater Voest
->Manna vom Osten
->Es lebe die "Diktokratie"
->Goodbye Gurus?
->Wohlstand für viele Menschen
->Höchst gesunde Aussichten
->Die hohe Kunst des Ausruhens
->"...hominis est errare...
->Europas Zukunft sieht alt aus
->Sind Optionen keine Option?
->Brand It Like Beckham
->Jazz statt Symphonie
->Erfolg=Wissen mal Fähigkeiten
->Wozu braucht man Berater?
->Veränderungs-Dilemma
->Ein Plädoyer für Strategie
->Wenn Manager autistisch werden
->Sag mir, wo die Frauen sind ...
->Ich google - Sie auch?
->Die Demokratisierung des Luxus
->Abschied von der AG?
->Die Geheimnisse des Phoenix
->Siegen à la Alinghi
->Anleitung zum Glücklichsein
->Die Suche nach dem Mehr
->Lust auf Leistung
->Eine doppelte Melange
->Sei willkommen Krise?
->"Denk' ich an Deutschland..."
->Gegen die Endzeit-Stimmung

Dr. Antonella Mei-Pochtler ist Senior Partnerin von The Boston Consulting Group BCG) und Leiterin des Wiener Büros. kolumne.at@bcg.com
  • Artikelbild
Share if you care.