Blitzen und Knarren

11. Dezember 2003, 10:39
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Um die Person des Direktors der Wiener Hofoper, Gustav Mahler konstruiert C. S. Mahrendorff einen Verschwörungs-Thriller

Um die Person des Direktors der Wiener Hofoper, Gustav Mahler konstruiert der deutsche Autor C. S. Mahrendorff einen Verschwörungs-Thriller (Das dunkle Spiel, € 22,70/504 Seiten. Lübbe, Bergisch Glattbach 2003). Das Festmachen einer Handlung an historischen Persönlichkeiten kann sowohl Stützgerüst als auch Hemmung für die Entfaltung der Fantasie sein. In diesem Fall wurden biografische Daten und Zeitgeschichte gewissenhaft recherchiert und eine fiktive Nebenhandlung eingebaut, in der auch Sigmund Freud eine Rolle spielt. Mahrendorff, der Geschichte, Musikwissenschaft und Jus studiert hat, zitiert ausgiebig aus zeitgenössischen Pressekritiken über die künstlerische Tätigkeit Mahlers, und die waren ja oft derart gehässig und untergriffig, dass eine antisemitische Verschwörungstheorie nicht erst konstruiert werden muss. Und dass es eine Kriegstreiberpartei gab, die darauf brannte, Serbien zu vernichten, ist auch kein Geheimnis. Aber warum muss es derart klischeehaft und oft auch geschwätzig zugehen? Immer wieder "blitzen" die Augengläser des Künstlers, warum klingt das Wienerische stets "knarrend" und warum muss der Ich-Erzähler dauernd betonen, dass er in der "Habsburgermetropole" so beeindruckende adelige Freunde hat? (ALBUM/ DER STANDARD, Printausgabe, 6./7./8.12.2003)
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