Prager Winter

2. Jänner 2004, 13:47
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Nicht nur der "Bockerer IV" hat den telegenen Mehrwert des Jahres 1968 erkannt - auch das deutsche TV-Movie "Das siebte Foto" ...

Wir sind in Prag, anno 2003. Es ist Winter, und dementsprechend gibt es atmosphärisch dienliche Niederschläge und Lichtverhältnisse. Außerdem wirft auch um diese Jahreszeit der Prager Frühling noch seine langen Schatten: Nicht nur der "Bockerer IV" hat nämlich den telegenen Mehrwert des Jahres 1968 erkannt - auch das deutsche TV-Movie "Das siebte Foto" fand Donnerstagabend rasch seinen entsprechenden historischen Bezugspunkt. Ein deutscher Thirtysomething, Autor von Kinderbüchern, stieß auf alte Fotos, die den Ahnungslosen schnurstracks in einen verwickelten Mordfall mit Langzeitwirkung verstrickten.

Was - zwar mit etwas zu dick aufgetragener Kameraführung (was wären wir ohne Kräne!) - gar nicht so übel begann, entwickelte sich mit der Zeit zu einer mehr als kruden Politkrimigeschichte. Diese gipfelte in einer eigenwilligen kleinfamiliären Schicksalskonstellation und erklärte die platonische Beziehung des Heldenpaares rückwirkend aus dessen tatsächlichem Verwandtschaftsverhältnis (Geschwister!). Zuvor konnte man über die Sprachkenntnisse der Prager Bevölkerung ebenso staunen wie über manch andere erzählerische Volte - gern haben wir uns bei solchen Drehbuchkniffen das entsprechende Pitching vorgestellt.

Weshalb wir uns das (trotzdem) angesehen haben? Zum einen, weil deutsche TV-Filmproduktionen mitunter besser sind als ihr Ruf. Und zum anderen hat uns der Hauptabend (mit doppelten Geburtstagsgalas u. ä.) kaum eine andere Wahl gelassen. (irr/DER STANDARD; Printausgabe, 6./7./8.12.2003)

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