Sensationeller Mario Matt siegt am Ganslernhang

24. Jänner 2000, 13:51

Der junge Arlberger fuhr mit Nummer 47 ganz nach oben

Kitzbühel - Toller Ausklang der 60. Hahnenkamm-Skirennen in Kitzbühel: Senkrechtstarter Mario Matt gewann am Sonntag mit einem entfesselten zweiten Lauf den abschließenden Slalom vor dem Slowenen Matjaz Vrhovnik (0,98 zurück) sowie seinem nach dem ersten Lauf in Front gelegenen Landsmann Benjamin Raich (1,23) und sorgte damit nach Hermann Maier (Super G) und Fritz Strobl (Abfahrt) für den dritten ÖSV-Sieg bei dieser Jubiläumsveranstaltung.

Alle Einzelrennen an Österreich

Erstmals seit 1978, als Sepp Walcher zwei Abfahrten und Klaus Heidegger den Slalom gewonnen hatte, stellte damit Österreich drei Rennsieger. Den totalen Erfolg in Rot-Reiß-Rot verhinderte der Norweger Kjetil-Andre Aamodt, der sich vor dem Schweden Fredrik Nyberg und Hermann Maier den Kombi-Sieg sicherte und damit seine Chance auf den Gesamtsieg intakt hielt.

Doch auch Maier war mit dem Kitz-Wochenende sehr zufrieden ("Ich habe viele Punkte mitgenommen"), doch wollte er vom Gewinn der großen Kristall-Kugel trotz seines 352-Punkte-Guthabens noch nicht sprechen. "Darüber kann man erst reden, wenn ich nach Garmisch 400 Punkte vorn bin."

Matt breitbeinig zum Triumph

Umjubelter Held des Tages war jedoch Matt, der in seinem erst dritten Weltcup-Slalom im Stile eines großen Champions zum Sieg stürmte. Mit Nummer 47 löschte er Piero Gros aus den Annalen, der seit 1972 (mit Nr. 42 in Madonna) als Sieger mit der höchsten Startnummer geführt worden war. "Ein Wahnsinn, ein Traum, ich kann es noch gar nicht fassen", sagte der 20-jährige Blondschopf, der in Flirsch unweit des WM-Ortes St. Anton zu Hause ist.

In Wengen hatte er einen Stockerl-Platz noch verpasst, als er mit toller Zwischenbestzeit im zweiten Lauf ausfiel. Nun schlug seine große Stunde. "Die kurzen Ski kommen meiner Technik mit breiterer Skiführung sicher etwas engegen", lautete die erste Kurz-Bilanz des 1,88 m großen Tirolers, nachdem er mit 1,76 m-Carvern eine Kurzski-Demonstration par excellence geliefert hatte. Vor allem im zweiten Heat, in dem er Raich nicht weniger als 1,45 Sekunden abnahm.

Raich, der sich im vergangenen Winter ähnlich spektakulär ins Rampenlicht geschoben hatte, stand diesmal klar im Schatten seines Kollegen, doch hatte der eben erst von einer Grippeerkrankung genesene Tiroler keinerlei Grund enttäuscht zu sein. "Wenn man auf dem Podest steht, muss man zufrieden sein", sagte der "Blitz aus Pitz", der zuletzt in Wengen wegen einer Grippe gefehlt hatte.

"Cooler Typ"

Besonders überrascht war Raich von Matts Leistung nicht. "Ich weiß, dass er ein cooler Typ ist und schon in Wengen ist er gewaltig gefahren. Und heute war er ja wieder wahnsinnig schnell", sagte Benjamin, der den etwas früheren Carver-Umstieg seines Rivalen als Mitgrund für dessen Höhenflug anführt: "Kann sein, dass er da einen kleinen Vorteil hat."

Thomas Stangassinger fuhr mit Rang fünf nach der Enttäuschung von Wengen wieder einen Spitzenplatz heraus und wird wohl bei seinem nächsten Einsatz ebenfalls auf kurzen Latten unterwegs sein. Bemerkenswert ist auch die Leistung von Kilian Albrecht, der mit Rang neun sein bestes Weltcup-Resultat verzeichnete.

Bemerkenswert aus internationaler Sicht: Vrhovnik verzeichnete mit Rang zwei sein bestes Weltcup-Resultat und ist im Slalom hinter Aamodt und vor Stangassinger Zweiter. Mit dem jungen Kentaro Minagawa, der mit Startnummer 60 unmittelbar vor Wengen-Sieger Aamodt auf Platz sechs fuhr, kam erstmals seit längerem wieder ein Japaner unter die Top Ten. Dafür enttäuschte Vorjahrssieger Jure Kosir mit Rang 19. (APA)



Der MARIO MATT-Steckbrief:


Geboren: 9. April 1979 Wohnort: Flirsch/Tirol Klub: SC Arlberg/Tirol Größe: 1,88 m
Hobbies: Fußball, Mountainbike
Ausrüstung: Salomon (Ski/Bindung/Schuhe) Eintritt ins ÖSV-Team: 1996


Größte Erfolge: Weltcup-Sieg im Kitzbühel-Slalom 2000, Junioren- Vizeweltmeister 1998 Slalom in Megeve und 1999 Kombination in Pra Loup Bisherige Platzierungen im Weltcup - drei Starts (alle Slalom): Kranjska Gora - 17., Wengen - ausgeschieden, Kitzbühel - 1. (mit Startnummer 47 - "Weltrekord" im Slalom/bisher der Italiener Piero Gros in Madonna di Campiglio 1972 mit Nummer 42)


ENDKLASSEMENT

1. Mario Matt AUT 102,79 (49,99 - 52,80)

2. Matjaz Vrhovnik SLO 103,77 +0,98 (50,06 - 53,71)

3. Benjamin Raich AUT 104,02 +1,23 (49,77 - 54,25)

4. Ole-Christian Furuseth NOR 104,09 +1,30 (50,57 - 53,52)

5. Thomas Stangassinger AUT 104,10 +1,31 (50,32 - 53,78)

6. Kentaro Minagawa JPN 104,17 +1,38 (50,77 - 53,40)

7. Kjetil-Andre Aamodt NOR 104,19 +1,40 (50,21 - 53,98)

8. Matteo Nana ITA 104,25 +1,46 (51,41 - 52,84)

9. Kilian Albrecht AUT 104,37 +1,58 (50,34 - 54,03)

10. Johan Brolenius SWE 104,41 +1,62 (50,85 - 53,56)


11. Christian Mayer AUT 104,44 +1,65 (50,52 - 53,92)

12. Markus Eberle GER 104,60 +1,81 (50,51 - 54,09)

13. Mitja Valencic SLO 104,62 +1,83 (50,72 - 53,90)

14. Rainer Schönfelder AUT 104,67 +1,88 (50,87 - 53,80)

15. Mitja Kunc SLO 104,84 +2,05 (50,65 - 54,19)

16. Sergio Bergamelli ITA 104,85 +2,06 (51,44 - 53,41)

17. Fabrizio Tescari ITA 104,86 +2,07 (50,72 - 54,14)

18. Mario Reiter AUT 104,97 +2,18 (51,34 - 53,63)

19. Jure Kosir SLO 105,17 +2,38 (50,09 - 55,08)


20. Uros Pavlovcic SLO 105,33 +2,54 (50,98 - 54,35)

21. Pierre Violon FRA 105,42 +2,63 (51,35 - 54,07)

22. Finn-Christian Jagge NOR 105,54 +2,75 (50,04 - 55,50)

23. Michael Von Grünigen SUI 105,59 +2,80 (51,22 - 54,37)

24. Fredrik Nyberg SWE 105,90 +3,11 (51,35 - 54,55)


Hahnenkamm-Kombination

1. Kjetil-Andre Aamodt NOR 3:31,98 Min.

2. Fredrik Nyberg SWE 3:35,69 + 3,71

3. Hermann Maier AUT 3:36,30 + 4,32

4. Fritz Strobl AUT 3:38,58 + 6,60

5. Bruno Kernen SUI 3:38,93 + 6,95

6. Paul Accola SUI 3:38,95 + 6,97

7. Kristian Ghedina ITA 3:40,30 + 8,32

8. Marco Büchel LIE 3:41,37 + 9,39

9. Werner Franz AUT 3:41,83 + 9,85

10. Hannes Trinkl AUT 3:42,73 +10,75

11. Antoine Deneriaz FRA 3:42,97 +10,99

12. Patrik Järbyn SWE 3:46,00 +14,02

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