Jugendanwaltschaft gegen höhere Strafen

8. Dezember 2003, 20:55
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Psychologische Betreuung für Einvernahme über Tortur wird vorbereitet

Wien - Die Wiener Kinder- und Jugendanwaltschaft sprach sich gegen höhere Strafen für derartige Delikte aus. "Die Forderung sei zwar verständlich, aber zwecklos", meinte der Jurist Anton Schmid. Das Problem sei vielmehr, dass Kinder, die nicht den Erwartungen von Eltern entsprechen, immer noch mit körperlicher oder seelischer Gewalt "erzogen" werden. Dieses "kalte Klima" gelte es zu beenden.

Einvernahme geplant

Wenn die Kleine von den Ärzten wieder zu Bewusstsein gebracht wird, soll das Mädchen über die Tortur einvernommen werden. Die beschuldigten Eltern - Vater und Stiefmutter - waren am Freitag weiterhin in Untersuchungshaft.

Bei der Befragung des Kindes werde man "ganz behutsam vorgehen", sagte Ewald Ebner vom Kriminalkommissariat Nord: "Zuerst sind einmal die Psychologen gefragt". Seitens des SMZ Ost wollte man keine Angaben über den Gesundheitszustand der Zehnjährigen machen.

Eltern bleiben bei ihren Ausssagen

Die polizeilichen Ermittlungen sind vorerst abgeschlossen. "Jetzt steht die Gesundheit des Mädchens ganz im Vordergrund", so Ebner. Weiters wurde das Jugendamt eingeschaltet. Die Eltern wurden inzwischen dem Gericht eingeliefert. Sie bleiben bei ihren Angaben, die Übergriffe auf das Kind als "Erziehungsmaßnahme" getätigt zu haben. "Wir waren selbst entsetzt darüber, mit welcher Ruhe und Kühlheit die Stiefmutter über die Misshandlungen berichtete", so Ebner.

Als die Kleine in der Nacht auf Samstag von ihrem Vater ins Spital gebracht wurde, wies sie nach Angaben eine Schädelfraktur, Serienrippenbrüche, tiefe Schnittwunden am rechten Unterarm, am linken Oberschenkel, am Kinn und an einem Daumen, großflächige Verbrennungen an der linken Schulter, an Hals und Rücken sowie sogar im Anal- und Vaginalbereich auf. Darüber hinaus konstatierten die Ärzte Verletzungen am Gesäß des Kindes, die von einer brennenden Zigarette stammten.(APA)

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