Belagerer von Sarajewo zu 20 Jahren Haft verurteilt

7. Dezember 2003, 14:25
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Kriegsverbrechertribunal sprach Galic schuldig - Empörung über "zu mildes Urteil" in Sarajewo

Sarajewo - Führende bosnische Persönlichkeiten haben mit Empörung auf das Urteil des UNO-Kriegsverbrechertribunals gegen den ehemaligen bosnisch-serbischen General, Stanislav Galic, reagiert. Galic war am Freitag wegen der Belagerung Sarajewos zu 20 Jahren Haft verurteilt worden. Safet Halilovic, Vorsitzender der Partei für Bosnien-Herzegowina (SBiH), bezeichnete die Entscheidung der Richter in Den Haag als "lächerlich".

Zwar entspreche das Urteil dem Strafmaß, das das Haager Tribunal auch in voran gegangen Fällen angelegt habe. "All das Leid aber, das der Bevölkerung Sarajewos angetan wurde, Hunger, fehlendes Wasser, kein Strom, kein Gas, Tausende Tote, davon 1600 Kinder", könne durch den Richterspruch nicht wieder gut gemacht werden.

Das Gericht hatte den früheren Kommandanten des bosnisch-serbischen Romanija-Korps für den Beschuss und die Belagerung von Sarajewo zwischen April 1992 und Dezember 1995 verantwortlich gemacht. Durch die Bombardierungen und den Einsatz von Scharfschützen kamen im Laufe der Einkesselung rund 12000 Menschen ums Leben.

Galic wurde auch die Bombardierung eines Gemüsemarktes am 3. Februar 1994 angelastet, bei der 64 Personen getötet worden waren. Dragan Vikic, der zur Zeit der Belagerung an der Spitze der Spezialeinheiten der Verteidiger der Stadt stand, sagte, "dass es für das, was Galic in Sarajewo angerichtet" habe, "gar keine angemessene Strafe geben kann".

Kritik an Absprachen des Gerichts mit Verteidigung

Darko Ruzic, Generalsekretär der Sozialdemokratischen Union (SDU) kritisierte die Absprachen des Gerichts mit der Verteidigung von Galic. Diese hatte auf Freispruch plädiert. Auch in anderen Prozessen gegen bosnisch-serbische Kommandanten, so Ruzic, sei es zu zweifelhaften außergerichtlichen Absprachen gekommen. "Ich kann nicht verstehen, dass die Leute heute so schnell auf freiem Fuß sind, die der Stadt so viel Leid zugefügt haben."

Jakob Finci hingegen, Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde und Präsidiumsmitglied der bosnischen Versöhnungskommission, zeigte Verständnis für das Urteil. "Einigen Leuten erscheinen die 20 Jahre zu viel, anderen ist das zu wenig. Das zeigt, wie schwierig es für die Richter in Den Haag ist, zu einer Entscheidung zu kommen. Das zeigt aber auch, wie schwierig es bosnischen Richtern fallen wird, wenn diese Prozesse erst einmal auf hiesigem Territorium geführt werden." (APA/dpa/AP)

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    General Stanislav Galic wurde in Den Haag zu 20 Jahren Haft verurteilt.

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