Wohnungen gehen an Fries & Co

11. Dezember 2003, 16:26
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Der Badener Rechtsanwalt Rudolf Fries und zwei österreichische Industrielle kaufen um 145 Millionen Euro 3859 BIG-Wohnungen

Wien - Der Rechtsanwalt Rudolf Fries, der Besitzer von Spitz Fruchtsäfte, Walter Scherb, und Ulrich Stepski, dessen Familie die Nettingsdorfer Papierfabrik besaß, haben die 3859 Wohnungen der Bundesimmobiliengesellschaft um 145,05 Mio. Euro gekauft.

Stepski sagte zum STANDARD, er betrachte den Kauf als strategisches Finanzinvestment. Er, der nach wie vor Vorstand der Nettingsdorfer (jetzt Smurfit-Gruppe) ist, wolle den Verkaufserlös weiter in Österreich investieren, begründete Stepski sein Engagement. Es ist das der größte jemals in Österreich abgewickelte Wohnungsverkauf, sagte BIG-Geschäftsführer Christoph Stadlhuber.

Als Käufer tritt die DRF Beteiligungs GmbH und die Luna Liegenschaftsvermietungs GmbH auf. Der Sprecher des Käuferkonsortiums, Karl Weilhartner, sagte am Freitag vor Journalisten, dass Fries, Scherb und Stepski die Mehrheit an der DRF halten. Hinter der Luna Liegenschaftsvermietungs GmbH steht das Vorarlberger Bauprojektmanagement-Unternehmen Zima.

"Strategischer halböffentlicher Partner"

Minderheitspartner des DRF-Konsortiums ist laut Weinhartner die oberösterreichische Koop Lebensraum AG, die zu 75 Prozent den Mitarbeitern, darunter Weilhartner, gehört. Zu weiteren 25 Prozent ist ein "strategischer halböffentlicher Partner" beteiligt. Es wird gemunkelt, dass dahinter die katholische Kirche steht.

Die Koop Lebenstraum AG wiederum hält zwei Beteiligungen: die Immobilienfirma Arev (Geschäftsführer Weilhartner) und die oberösterreichische Baufirma Aktivbau.

Die DRF hat laut Weilhartner ein Eigenkapital von 20 Mio. Euro, das zur Gänze in die Finanzierung des Kaufpreises fließt. Der Rest wird über Bankdarlehen der Bank Austria bereitgestellt. Die Hausverwaltung der ehemaligen BIG-Wohnungen wird vorerst weiter von der BIG-Tochter IMB erledigt.

Kommerzielle Interessenten

In den nächsten drei bis vier Monaten wird entschieden, welche Wohnungen behalten oder an kommerzielle Interessenten bzw. Mieter verkauft werden. Teile des Wohnungspakets könnten auch in eine dem Käuferkonsortium nahe stehende Immobilien-AG eingebracht werden. Die Koop Lebensraum verwaltet derzeit etwa 6000 Wohnungen, davon rund 500 eigene.

Weil das durchschnittliche Mietniveau mit rund zwei Euro/m² sehr niedrig und die Mietverträge unbefristet sind, wollen die neuen Eigentümer den Mietern "kreative" Angebote machen. Wer bereit ist, seinen langfristigen Mietvertrag gegen einen kurzfristigen einzutauschen, kann mit einem Bonus rechnen. Wer sein Mietrecht aufgibt, dem wird eine Vergütung angeboten, signalisierte Weilhartner.

Kaufpreis über den Erwartungen

Die Rendite der eigenen Immobilien liegt bei sechs bis 6,5 Prozent, jene der BIG-Wohnungen bei 4,8 Prozent, was Verkäufe nicht unter allen Umständen nötig mache, so Weilhartner. Der Kaufpreis liegt deutlich über den Erwartungen von 130 bis 135 Mio. Euro. 77,2 Mio. Euro vom Erlös erhält der Finanzminister als Teil der geforderten Ausschüttung.

Der Rest auf die Dividende von insgesamt 182 Mio. Euro, kommt aus dem operativen BIG-Gewinn. Nicht betroffen von diesem Verkauf sind die 62.000 Wohnungen, die im Besitz der fünf bundeseigenen Wohnbaugesellschaften (Buwog & Co) sind. (DER STANDARD Printausgabe, 06.12.2003, Claudia Ruff)

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    Die BIG-Chefs Christoph Stadlhuber (li.) und Hartwig Chromy (Mi.) haben einen unerwartet hohen Preis für die 3859 Wohnungen bekommen. Karl Weilhartner, Sprecher des Bieterkonsortiums, will Teile wieder abverkaufen.

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