Keine klaren Momente mehr

8. Dezember 2003, 21:32
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Reagan-Tochter spricht über die Krankheit ihres Vaters - 92-jähriger Alzheimer-Patient offenbar ohne irgendeine Bewusstseinsregung

Los Angeles - Die Familie des früheren US-Präsidenten Ronald Reagan hat sich nach längerer Zeit wieder über den Zustand des an Alzheimer leidenden 92-Jährigen geäußert. Seine Tochter Patti Davis schrieb in einem Artikel für die neue Ausgabe des US-Magazins "People", sie werde häufig gefragt, wie es ihrem Vater gehe und ob er sie noch erkenne. "Dadurch ist mir bewusst geworden, dass meine Mutter und ich, seit er krank ist, ... uns so schützend vor ihn gestellt haben, dass viele Menschen glauben, dass er noch spricht, dass er noch herumläuft, dass er noch klare Momente hat."

Niemand mit dem man Erinnerungen austauschen kann

"Aber wenn man sagen würde, dass daran etwas Wahres sei, würde man allen Familien, die einen Alzheimer-Patienten versorgen, einen schlechten Dienst erweisen", schrieb Davis. Die Sprecherin der Familie, Joanne Drake, sagte auf AP-Anfrage, Reagans Zustand sei unverändert. Er sei zu Hause gut aufgehoben.

Nancy Reagan hatte im vergangenen Jahr in einem Fernsehinterview angedeutet, wie es ihrem Mann geht. "Es sind die goldenen Jahren, in denen man sich zurücklehnen und Erinnerungen austauschen kann. Und das ist das Schlimmste an dieser Krankheit: Da ist niemand, mit dem man Erinnerungen austauschen kann."

Reagan hatte 1994 bekannt gegeben, dass er an der Alzheimer-Krankheit leidet. Seitdem zeigt er sich kaum noch in der Öffentlichkeit. Er war von 1981 bis 1989 Präsident der USA.

Ex-Präsident kann nicht sprechen oder selbst essen

Der an Alzheimer erkrankte frühere US-Präsident Ronald Reagan kann nach einem Pressebericht weder sprechen noch sich selbst ernähren. Der 92-Jährige erkenne auch seine Familie nicht mehr, berichtet das Magazin "People" in seiner neuen Ausgabe am Freitag. Reagan verbringe die Tage an sein Bett gefesselt in seinem Haus in Los Angeles, stets mit seiner Frau Nancy an der Seite. Die 82-jährige frühere First Lady leide sehr unter der emotionalen und physischen Belastung und erlaube es selbst engsten Freunden nicht, den Kranken zu besuchen.

Reagans Tochter Patti Davis schreibt in dem Magazin, ihr Vater lebe noch dank seiner robusten körperlichen Konstitution. "Ich glaube, es ist die Zähigkeit seiner Seele - er ist nicht bereit, seine Familie zu verlassen."

Reagans Büro wollte den Bericht nicht kommentieren. Es erklärte lediglich, dem 40. Präsidenten der USA gehe es "wie immer". Reagan hatte 1994 bekannt gegeben, dass er an Alzheimer leidet. Die Gehirnerkrankung macht sich vor allem durch Vergesslichkeit und Sprachstörungen bemerkbar. In den vergangenen Jahren trat er nicht mehr in der Öffentlichkeit auf. (APA/AP)

  • Archivbild von Nancy und Ronald Reagan aus dem Jahr 1993

    Archivbild von Nancy und Ronald Reagan aus dem Jahr 1993

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    Nancy Reagan in einem TV-Interview:"... das Schlimmste an dieser Krankheit: Da ist niemand, mit dem man Erinnerungen austauschen kann."

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