Sportorganisationen sollen weiblicher werden

9. Dezember 2003, 10:43
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Grazer Konferenz "Frauen. Sport. Kultur": Nur zehn Prozent Frauen in Führungsgremien

Graz - In den zahlreichen österreichischen Sportvereinen befinden sich nur zu zehn Prozent Frauen in den Führungsgremien. "Wie kann man mehr Frauen für die Arbeit in Sportorganisationen begeistern?", das sei, so Erika König-Zenz von der Österreichischen Bundesorganisation (BSO), die Frage, die im Mittelpunkt der internationalen Tagung steht, die unter dem Titel "Frauen. Sport. Kultur" unter der Patronanz der Sektion Sport des Bundeskanzleramtes in Graz veranstaltet wird.

Handlungsrichtlinie

Als ersten Schritt auf dem Weg zu einer geschlechtergerechteren Verteilung der Entscheidungskompetenzen zu gelangen, hat die Generalversammlung der Österreichischen Bundes-Sportorganisation (BSO) im November 2002 die Einführung von Gender Mainstreaming als Handlungsrichtlinie beschlossen. Ziel ist die paritätische Teilhabe von Frauen und Männern am österreichischen Sport.

Attraktivität vor sportlicher Leistung

Es sollten Überlegungen angestellt werden, wie Sportvereine generell und speziell für Frauen, die Führungsaufgaben im Verein übernehmen wollen, den Bedürfnissen von Frauen besser entgegen kommen können und die Partizipation und Integration von Mädchen und Frauen in den Sport stärker gefördert werden könnte, so BSO-Sprecherin König-Zenz. "Dazu gehört zum Beispiel die Frage nach Kinderbetreuungsmöglichkeiten bis zur Frage, zu welchem Zeitpunkt und wie oft Vereinssitzungen stattfinden sollen", erläutert König-Zenz. Was die BSO-Sprecherin besonders stört: "In der Berichterstattung über erfolgreiche Sportlerinnen kommt es immer wieder vor, dass die Attraktivität der Frauen über ihre sportliche Leistung gesetzt wird".

Zugangsbarrieren

Junge Frauen haben auch heute noch höhere Zugangsbarrieren zum Sport zu überwinden als junge Männer. Das würde sich insbesondere darin äußern, dass sie seltener Mitglied in einem Sportverein sind, hat die deutsche Wissenschafterin Sabine Radtke in ihrem Forschungsprojekt "Frauen an die Spitze" an der Freien Universität Berlin festgestellt.

Forschungsprojekt

Seit August 2001 arbeitet man in Berlin an der Analyse der Geschlechterverteilung in ehrenamtlichen Führungspositionen deutscher Sportverbände. Dabei kooperierten die WissenschafterInnen mit dem Nationalen Olympischen Komitee und dem Deutschen Sportbund. Radtke stellt fest: "Nehmen Mädchen ein sportliches Engagement an, dann meist in Sportarten, die als weiblich etikettiert sind. Noch immer existiert die weitläufige Meinung, dass es ungeeignete sportliche Aktivitäten für Mädchen gibt". (APA)

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    In Graz wird zum Thema "Frauen.Sport.Kultur" getagt.
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