In Zeiten der stillen Freude

13. Jänner 2004, 15:27
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Gibt es eine edlere Gesinnung, als sich über das Glück eines anderen vorbehaltlos freuen zu können?

Nein. Und es macht gerade im Advent froh, ein schönes, aber keineswegs überraschendes Beispiel solch seelischer Größe vermelden zu können. DER STANDARD ist es ja gewohnt, von der "Presse" stets mit all der Noblesse traktiert zu werden, zu der dieses traditionsreiche Blatt fähig ist. Aber in der gestrigen Ausgabe wurde der große Horizont von einst wieder einmal in seiner ganzen Ausdehnung sichtbar.

"Standard" Gewinner der Presseförderung jubelte schon im Titel eines Artikels über die neuen Förderungsrichtlinien eine gewisse i. w. mit einer an Andreas Unterberger geschulten Grandezza. Denn weit davon entfernt, es bei dieser Hervorhebung bewenden zu lassen, frönte er seinem Freudenrausch, diese Botschaft überbringen zu dürfen, auch ausgiebig im Text. Ein etwas unaufmerksamer Leser musste fast den Eindruck gewinnen, DER STANDARD sei das einzige Blatt, über das die Regierung ihr medienpolitisches Füllhorn ausschüttet, was, wenn es sich dabei um einen treuen "Presse"-Abonnenten handeln sollte, das Risiko einer mittleren Frustration in sich birgt, sind doch die Verdienste, die sich die beiden Blätter um diese Koalition erworben haben, gar nicht miteinander zu vergleichen.

Dennoch reichte die Großherzigkeit der "Presse" so weit, die Regierung nicht offen groben Undanks zu zeihen, sondern über deren ethisches Versagen elegant hinwegzusehen. Mehr noch. Wurde im Titel DER STANDARD nur als Gewinner der Presseförderung gefeiert, erfuhr er im Text eine Rangerhöhung: Hauptgewinner der Novelle ist der "Standard". Er erhält nach den vorliegenden Berechnungen 2004 insgesamt 1,46 Millionen Euro Presseförderung: 1,26 Millionen "Besondere Förderung" und die volle Vertriebsförderung.

Um den Lesern das ganze Ausmaß ihrer Begeisterung nicht vorzuenthalten, teilte "Die Presse" auch mit, was DER STANDARD wieder nicht erhalten hätte, hätte sich die Regierung nicht durchgerungen, endlich jene Presseförderung auf den Tisch des Hohen Hauses zu bringen, die im Wesentlichen schon seit der Ära Klima in der Schublade liegt. Ohne Novellierung hätte der "Standard" um 1,2 Millionen Euro weniger Förderung erhalten. Und weit von der sündigen Empfindung entfernt, Neid sei geil, triumphiert "Die Presse": Keine andere Zeitung profitiert dermaßen von der Neuregelung.

Danke. Dass die Aufzählung, welche anderen Zeitungen ebenfalls Presseförderung erhalten und wie viel, in dem Artikel nicht mehr Platz einnahm als die Würdigung allein des glücklichen Hauptgewinners, lässt sich mit dem Freudentaumel der "Presse" erklären. So viel Neidlosigkeit entschuldigt ein wenig subjektive Berichterstattung. Da wäre es zu viel verlangt, wenn man auch noch die Beantwortung der Frage erwartete, wieso die Regierung die Presseförderung gerade jetzt auf neue Beine gestellt hat, und nicht schon früher.

Vielleicht gibt es darauf ja mehrere Antworten, aber eine triftige auf jeden Fall. In falscher Bescheidenheit ist "Die Presse" sie ihren Lesern schuldig geblieben. Anders als DER STANDARD hat sie in den letzten Jahren sehr wohl "besondere" Presseförderung erhalten, hätte sie aber bei unveränderten Regeln im nächsten Jahr verloren. Es spricht für das Verantwortungsbewusstsein der schwarz-blauen Regierung, dass sie, nur um diese medienpolitische Katastrophe abzuwenden, sogar bereit ist, den STANDARD "besonders" zu fördern. Das wiederum ermöglicht es uns, nun die Freude der "Presse" zu teilen und sie neidlos zum wahren Hauptgewinner zu erklären.

Dabei können wir uns auch auf den verantwortlichen Staatssekretär Franz Morak berufen, der Mittwoch vor dem Nationalrat meinte, die Presseförderung werde "an die Möglichkeiten der Zeit angepasst". Diese Anpassung könnte man sich freilich ebenso ersparen wie die Presseförderung überhaupt, würde sich die Regierung zu einer Medienpolitik entschließen, die dieser Bezeichnung nicht Hohn spricht.

Keine "besondere Presseförderung" erhält übrigens trotz besonderer Bedürftigkeit auch die "Kronen Zeitung". Nicht nur wegen ihrer Verdienste im Kampf gegen die Medienkonzentration, schon um sie nicht in frevelhafte deutsche Hände fallen zu lassen, hätte sich Morak etwas einfallen lassen sollen. Wie es aussieht, ist Hans Dichand damit der Hauptverlierer der neuen Regelung. Und das, obwohl er nicht müde wird, sogar vergessene ÖVP-Stars abzufeiern. So konnte die "Krone" gestern mitteilen: Für seine "Verdienste im Interesse des Friedens und der Völkerverständigung" erhielt Altbundespräsident und Ex-UN-General Kurt Waldheim den Preis der Auslandsösterreicher. Wollten die warten, bis Gras über die Tätigkeit des Völkerverständigers gewachsen war? Da Waldheim wegen der absurden Wachtlist(sic)-Entscheidung nicht in die USA einreisen darf, fand die Verleihung in Wien statt. Glück im Unglück, denn nur hier war solches möglich: Als Gratulanten fanden sich auch Altbürgermeister Helmut Zilk und der frühere Präsident des Gewerkschaftsbundes Franz Olah ein.

Der Name des Überbringers nährte den Verdacht, bei der Auszeichnung handle es sich um das Komturkreuz des großen Janitschek-Ordens. Falsch, aber nicht ganz! Überreicht wurde der Wanderpokal von "Krone"-USA-Korrespondent Hans Janitschek in dessen Funktion als Vorsitzender des Vereins der Auslandsösterreicher. Na dann! (DER STANDARD, Printausgabe vom 5.12.2003)

Von Günter Traxler
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