"Glücklichere Lernorte" gesucht

4. Dezember 2003, 18:53
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Resümee der STANDARD- Serie über die Ganztagsschule: Große Hoffnungen, aber auch Ängste vor Zwangsbeglückung

Wien - Begonnen hat alles mit einem steirischen ÖVP-Politiker, der sich im Herbst plötzlich ganz freimütig zu einer bildungspolitischen Idee der Konkurrenz bekannt und diese auch offensiv vertreten hat: Landesparteigeschäftsführer Andreas Schnider ließ seine etwas verdutzte Partei wissen, dass er Ganztags- und Gesamtschulen, die die SPÖ seit Jahrzehnten fordert, für wichtig und richtig hält. Geänderte Familien- und Arbeitsverhältnisse erforderten neue pädagogische Konzepte. Er empfahl: "Über den ideologischen Schatten springen."

Der STANDARD widmete der Ganztagsschule eine Serie, in der Experten befragt und Erfahrungen aus Europa geschildert wurden. Resümee: Die Hoffnungen der Befürworter in das pädagogische Konzept des verschränkten Schultags (Lernen, Spielen, Fördern) sind groß, die Angst bei Eltern und Lehrern vor Zwangsverpflichtung zur nachmittäglichen Schulanwesenheit auch.

Darum steht für Bildungsministerin Elisabeth Gehrer (VP) im Vordergrund: "Was wollen die Eltern? Was will die gesamte Klasse?" Schon jetzt gebe es für jede Klasse die Möglichkeit, als Ganztagsklasse geführt zu werden, wenn zwei Drittel der Eltern es wollen, sagte sie dem STANDARD.

Erziehungswissenschafter Karl Heinz Gruber von der Uni Wien bringt es auf den Punkt: "Die Ganztagsschule ermöglicht mehr Flexibilität - um den Preis der Zeit, über die man individuell verfügen kann." Aufgrund vergleichender Studien glaubt er aber: "Ganztagsschulen könnten glücklichere Lernorte sein." (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 5.12.2003)

von Lisa Nimmervoll
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    grafik: der standard
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