Billigflieger feiern Erfolgsjahr

28. Jänner 2004, 13:11
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Marktbereinigung droht jedoch 2004 - Low-Cost-Carrier wollen sich zu gemeinsamem Verband zusammenschließen, um Auftreten zu stärken

Hamburg - Steigende Buchungszahlen, Flugzeugbestellungen gleich im Dutzend: Auf den ersten Blick boomt der Billigfliegermarkt in Europa. Während Branchengrößen wie KLM und Air France fusionieren und an allen Ecken Kosten sparen, gingen Easyjet, Germanwings, Hapag-Lloyd Express (hlx) und Co. in diesem Jahr immer stärker in die Offensive und eröffneten neue Routen.

Nach Brancheninformationen wollen sich noch im Dezember mehrere europäische Billigfluglinien in einem gemeinsamen Verband, der so genannten ELFAA (European Low Fair Airline Association), zusammenschließen. Damit soll das Auftreten der Low-Cost-Airlines vor allem auf EU-Ebene gestärkt werden.

Wachstum nicht unbegrenzt

Das Wachstum ist aber nicht unbegrenzt. In den kommenden Monaten wird immer mehr Kapazität in den Markt drängen: So verzeichnet beispielsweise das Auftragsbuch von Boeing noch mehr als 100 Orders von Ryanair. Easyjet hat 120 Airbusse bestellt.

Auch wenn einige Flugzeuge älteres Gerät ersetzen: Die immens wachsende Sitzkapazität muss in einem engen Markt erstmal gefüllt werden. Easyjet verzeichnete im Geschäftsjahr 2002/03 einen Gewinnrückgang vor Steuern um 28 Prozent auf 52 Mio. Pfund (75 Mio. Euro). Ryanair legte dagegen für das Ende März abgelaufene Geschäftsjahr 2002/03 einen Rekordgewinn von 266 Mio. Euro vor.

Marktbereinigung

Nach Einschätzung von Branchenkennern steht in Europa eine Marktbereinigung an - und damit der geschäftliche Absturz diverser Billigflieger. Zwei bis drei größere Anbieter in jedem größeren Wirtschaftsraum plus kleine Nischengesellschaften: So könnte die Struktur des Low-Cost-Marktes künftig aussehen. Analysten gehen davon aus, dass die Billigfluggesellschaften langfristig rund 25 bis 30 Prozent Marktanteile erobern können.

Erfolgreich durchgesetzt haben sich auf dem deutschen Markt in diesem Jahr vor allem Unternehmen mit einem Streckennetz zwischen wichtigen Wirtschaftszentren. Air Berlin, Hapag-Lloyd Express oder Germanwings fliegen nicht von exotischen Flughäfen abseits der Ballungsräume, sondern von Köln-Bonn, Berlin, Stuttgart oder Hannover aus. Damit zielen sie insbesondere auf Geschäftsreisende.

Etablierte Konkurrenz schläft nicht

Germanwings rechnet für das Gesamtjahr 2003 mit 2,4 Mio. Buchungen, mehr als 90 Prozent davon über das Internet. Im kommenden Jahr will das Unternehmen mit derzeit rund 320 Mitarbeitern 3 bis 4 Mio. Gäste fliegen. Rund 1,7 Mio. Passagiere buchten bei Hapag-Lloyd Express im ersten Jahr, 1,35 Mio. Flugreisende nahmen zwischen Dezember 2002 und September 2003 in den knallgelben Jets Platz. Zum Vergleich: Ryanair rechnet in diesem Jahr mit 23 Mio. Reisenden, davon rund 4 Mio. in Deutschland. die Hapag-Lloyd Express will bereits im Oktober 2004 schwarze Zahlen schreiben.

Passagierzuwächse von monatlich bis zu 60 Prozent und insgesamt rund acht Mio. Passagiere pro Jahr kennzeichnen den Aufschwung in Köln. Nach Angaben der Flughafengesellschaft startet mittlerweile jeder zweite Reisende zu einem Billigflug.

Den Billigfliegern droht in den kommenden Monaten aber nicht nur harter Wettbewerb untereinander. Die etablierte Konkurrenz schläft nicht. Mit dem Projekt "Zukunft Kont" will beispielsweise Lufthansa die Produktivität ihrer Flugzeuge um zehn Prozent steigern. Außerdem soll die Bündelung des Regionalverkehrs rund 100 Mio. Euro im Jahr einsparen. Das alles soll vor allem Kosten im Kontinentalverkehr drücken - und damit auf dem Hauptmarkt der Billigflieger. (APA/dpa)

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    Mehrere europäische Billigfluglinien wollen sich in einem gemeinsamen Verband, der so genannten ELFAA (European Low Fair Airline Association), zusammenschließen

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