"Hätte ich die Zeit, würde ich es wahrscheinlich auch tun"

31. März 2006, 16:15
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Robert Hartlauer im Gespräch mit dem WebStandard über illegale Downloads, das Windows-Monopol und den nicht endenden Handy-Boom

"Ihr Robert Hartlauer" � dieser Satz ist dank Funk und Fernsehen jedem ein Begriff. Diesen Satz wiederholt Robert Hartlauer nun seit drei Jahren, so lange leitet der 28-Jährige das gleichnamige Familienunternehmen mit 153 Filialen und einem Jahresumsatz von 192 Millionen Euro.

Hartlauer bietet neben dem Bereich Optik und Hörgeräte vor allem Telekommunikationsprodukte, Unterhaltungselektronik, Tonträger und natürlich Fotografie, sei es digital oder analog, und bezeichnet sich selbst als österreichischen Branchenführer in vielen Produktbereichen.

Der WebStandard hat Robert Hartlauer nach seiner Meinung zu den Themen Digitalfotografie, illegale Musik-Downloads, Windows-Monopol und mehr befragt.

Die analoge Technik ist nicht tot

Trotz des Booms, den digitale Kameras erleben, sieht Robert Hartlauer die analoge Fotografie keineswegs als tot. Das hat mehrere Gründe. So ist derzeit einfach noch eine Vielzahl an analogen Geräten im Umlauf, zudem ist die Qualität der analogen Fotografie sehr hoch, betont Hartlauer. Im Gegensatz zum ähnlichen Beispiel Schallplatte versus CD, wo die digitale CD durch höhere Qualität zu überzeugen wusste, sei bei der digitalen Fotografie erst seit kurzem eine der analogen Fotografie ebenbürtige Qualität möglich.

Die Digi-Cam der Zukunft

Digital-Kameras werden sich in Zukunft im Bereich der Pixel auf etwa vier bis fünf Millionen einpendeln, da diese Auflösung für Amateuere ausreichen ist, so Hartlauer. Zudem sei zu erwarten, dass neue Modelle "schneller und schöner" sein werden, vor allem wird die Auslöseverzögerung in Zukunft drastisch schrumpfen.

Verschiedene DVD-Formate � verschiedener Sprit

Aber nicht nur im Bereich der Fotografie setzen sich immer mehr digitale Formate durch. So befindet sich etwa auch der Videorekorder am absteigenden Ast, den "erstmals gibt es nun auch DVD-Rekorder zu realistisch guten Preisen".

Für das kommende Jahr prognostiziert Hartlauer einen Preisverfall bei DVD-Rekordern. Verschiedene DVD Formate (DVD+, DVD-) werden hingegen zu keinen Komplikationen führen, Geräte müssen kompatibel sein, denn "es gibt ja auch Autos, die mit verschiedenem Sprit fahren".

Das Windows-Monopol

Dem Monopol des Microsoft-Betriebssystems Windows am Desktop- Sektor unterwirft sich auch Hartlauer, es gibt kaum alternative Angebote in den Filialen. "Diese Monopolstellung ist für die Konsumenten nicht optimal, wird aber auch in Zukunft bestehen bleiben, da der Vorsprung einfach zu weit ist", ist sich Hartlauer sicher. Im Bereich der Handys und anderen mobilen Geräten sieht der Unternehmer aber eine rosigere Zukunft für nicht Windows-Produkte, da in diesem Bereich "Stabilität und Einfachheit entscheidet".

Allerdings sind Computer keine Kernkompetenz der Hartlauer-Kette. So gibt es als Abrundung einige PC/Laptop- Angebote, über das Internet kann mit Hilfe eines PC-Generators ein Wunsch-PC zusammengestellt werden.

Keine Angst vor Hofer und Co

Dennoch fürchtet sich Hartlauer nicht vor der Billig-Konkurrenz durch Lebensmitteldiscounter wie Hofer oder Lidl, die oftmals PCs zu erstaunlichen Preisen anbieten. "Das ist gar kein Thema, wir verkaufen auch keine Lebensmittel", gibt sich Hartlauer spröde. Zudem handle es sich oftmals bei genauer Betrachtung um reguläre Angebote "auf Paletten", für die dann allerdings kein Support zur Verfügung stehe.

"Hätte ich die Zeit, würde ich es wahrscheinlich auch tun"

Hartlauer bietet seit dem Jahr 2002 auch wieder Audio-CDs an. Die Musikindustrie klagt über schrumpfende Umsätze dank illegaler Downloads, Robert Hartlauer sieht das Problem differenzierter: "Ich bin kein Fan der illegalen Downloads, aber auch nicht dagegen. Es handelt sich dabei um eine klare Entwicklung, die ich auch verstehe". Vor allem jüngere Konsumenten würden oftmals Musik herunterladen, diese werde dann zum Beispiel am Schulhof weitergetauscht. "Hätte ich die Zeit, würde ich es wahrscheinlich auch tun", gesteht Robert Hartlauer, der die eine oder andere Tauschbörse nach eigenen Angaben durchaus schon ausprobiert hat.

Die Zukunft in diesem Bereich heißt jedenfalls DVD, diese wird neben besserer Qualität eine Vielzahl an Optionen bietet und ist zudem schwieriger zu kopieren, gibt sich Hartlauer optimistisch.

Und noch mehr Handys

Entgegen vielen Behauptungen sieht Hartlauer den Handymarkt keineswegs als gesättigt an. Es sei im Gegenteil immer noch eine Steigerung möglich, das es sich um ein Produkt des täglichen Bedarfes handle. "Handys werden jeden Tag verwendet und werden natürlich auch kaputt. Aber auch ein Schuhverkäufer verkauft weiter Schuhe, selbst wenn jeder schon ein Paar besitzt".

Eine so genannte Killerapplikation sei also gar nicht notwendig, Handys müssen in erster Linie "klein, schön und billig sein", momentan sei der Ansturm auf Fotohandys groß.

Weihnachten

Weihnachten naht in großen Schritten und da bleibt die Frage nach DEM Weihnachtsgeschenk in Sachen Elektronik. Robert Hartlauer tippt hier auf Digital-Kameras, Handys und DVD-Player, aber auch LCD-TV-Geräte sollen stark im kommen sein. (Klaus Kraigher)

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    Robert Hartlauer: Handys müssen "klein, schön und billig sein".

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