Internationale Unterstützungswelle für "originale" Diagonale

Redaktion, 4. Dezember 2003, 13:51

Festivals wünschen "Beharrlichkeit und wachsenden Erfolg"

Wien - Die Organisatoren der von Filmschaffenden als Gegenbewegung zur vom Kunststaatsekretariat installierten diagonale04 als Forum für Österreichs Kinoschaffen organisierten "originalen Diagonale" dürfen sich über eine internationale Solidaritätswelle freuen.

Festivals und Kuratoren aus Oberhausen, Karlsbad, Pesaro, Hamburg, Stuttgart, Leipzig und Bordeaux haben Solidaritätserklärungen abgegeben, teilt der Produzent Alexander Dumreicher-Ivanceanu als Sprecher des Festivals, am Donnerstag in einer Aussendung mit.

Grußadressen aus Deutschland ...

Die Internationalen Kurzfilmtage Oberhausen "wenden sich gegen die vollkommen unverständliche Absetzung der erfolgreichen Intendanz der Diagonale und gegen den offenkundigen politischen Missbrauch von Kulturpolitik. Die Art und Weise, wie hier mit Kolleginnen und Kollegen umgesprungen wird, veranlasst uns, jegliche Zusammenarbeit mit der neuen Intendanz abzulehnen. Wir können die Gründung eines alternativen Festivals daher nur begrüßen", heißt es aus Oberhausen.

"Beharrlichkeit und wachsenden Erfolg" wünscht die Leitung des Internationalen Kurzfilmfestivals Hamburg, die die österreichischen Vorgänge folgendermaßen charakterisiert: "Da hat also einer - nennen wir ihn Herr M. - offensichtlich sowohl Probleme mit Kritik, als auch mit einer demokratisch legitimierten Vorgehensweise (...). Herr M. verhält sich wie Supermarktkunde und Filialleiter in einem, der den Regalen nur das entnimmt, was ihm schmeckt, und der nach Gusto das Sortiment umstellt. Und wie in ausschließlichen Geschmacksfragen besteht plötzlich weder Handlungs- noch Diskussionsbedarf. Vielleicht kann es gar nicht übermäßig verwundern, wenn man in seiner Funktionsbezeichnung 'Staats' und 'Kunst' verbinden muss. Verärgern kann es einen schon."

"Verbundenheit und Solidarität" bekundet der Leiter des Internationalen Leipziger Dokumentar- und Animationsfilmfestivals: "Mehr denn je ist es notwendig, Widerstand gegen kulturfeindlichen Dirigismus ignoranter und arroganter 'Kulturbürokraten' zu leisten und Zeichen dagegen zu setzen."

Ulrich Wegenast, Kurator des Stuttgarter Filmwinters, des Stuttgarter Internationalen Trickfilm-Festivals und des Europäischen Kurzfilmfestivals Ludwigsburg, findet, "Dieser neurotische 'Kulturkampf' von Franz Morak - da fällt mir immer dieser schlechte Song von ihm ein: billiger Rock'n'Roll - schadet der österreichischen Filmbranche und der österreichischen Kultur im Allgemeinen. Morak hat mittlerweile wirklich die letzte Glaubwürdigkeit verloren, und man kann von außen nur mit Befremden beobachten, wie ein gut funktionierendes Festival für eindeutig politische Zwecke geopfert wird."

... Frankreich, Italien und Tschechien

"Mit Sorge" verfolgt die Leiterin des Festival International du Cinema au Feminin, Bordeaux, die Entwicklung rund um die Diagonale: "Der augenscheinliche Wille der neuen Diagonale-Direktion, ein Festival von internationaler Bedeutung zu schaffen, zeigt meiner Ansicht den derzeit auch in der BRD verbreiteten Willen, nur noch 'rentable' Filme und Festivals zu unterstützen. "

Der Direktor des Internationalen Filmfestivals von Pesaro drückt neben seiner "Solidarität und vollen Unterstützung" den Wunsch aus, die Diagonale möge wiederhergestellt werden und ihren Platz unter den europäischen Festivals wieder einnehmen.

"Totale Unterstützung" kommt auch von den Direktoren des Filmfestivals Karlsbad (Karlovy Vary). Und mit dem Hinweis, dass man selbst auch jenes Fernsehprogramm verloren habe, das man zehn Jahre lang für das tschechische Fernsehen gemacht habe, heißt es: "Wie Sie sehen, haben wir auch unsere Moraks." (APA)

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