Festivals wünschen "Beharrlichkeit und wachsenden Erfolg"
Wien - Die Organisatoren der von Filmschaffenden als Gegenbewegung zur vom Kunststaatsekretariat installierten diagonale04 als Forum für Österreichs Kinoschaffen organisierten
"originalen Diagonale" dürfen sich über eine internationale
Solidaritätswelle freuen.
Festivals und Kuratoren aus Oberhausen,
Karlsbad, Pesaro, Hamburg, Stuttgart, Leipzig und Bordeaux haben
Solidaritätserklärungen abgegeben, teilt der Produzent Alexander Dumreicher-Ivanceanu als Sprecher des Festivals, am Donnerstag in einer Aussendung mit.
Grußadressen aus Deutschland ...
Die Internationalen Kurzfilmtage Oberhausen "wenden sich gegen die
vollkommen unverständliche Absetzung der erfolgreichen Intendanz der
Diagonale und gegen den offenkundigen politischen Missbrauch von
Kulturpolitik. Die Art und Weise, wie hier mit Kolleginnen und
Kollegen umgesprungen wird, veranlasst uns, jegliche Zusammenarbeit
mit der neuen Intendanz abzulehnen. Wir können die Gründung eines
alternativen Festivals daher nur begrüßen", heißt es aus Oberhausen.
"Beharrlichkeit und wachsenden Erfolg" wünscht die Leitung des
Internationalen Kurzfilmfestivals Hamburg, die die österreichischen
Vorgänge folgendermaßen charakterisiert: "Da hat also einer - nennen
wir ihn Herr M. - offensichtlich sowohl Probleme mit Kritik, als auch
mit einer demokratisch legitimierten Vorgehensweise (...). Herr M.
verhält sich wie Supermarktkunde und Filialleiter in einem, der den
Regalen nur das entnimmt, was ihm schmeckt, und der nach Gusto das
Sortiment umstellt. Und wie in ausschließlichen Geschmacksfragen
besteht plötzlich weder Handlungs- noch Diskussionsbedarf. Vielleicht
kann es gar nicht übermäßig verwundern, wenn man in seiner
Funktionsbezeichnung 'Staats' und 'Kunst' verbinden muss. Verärgern
kann es einen schon."
"Verbundenheit und Solidarität" bekundet der Leiter des
Internationalen Leipziger Dokumentar- und Animationsfilmfestivals:
"Mehr denn je ist es notwendig, Widerstand gegen kulturfeindlichen
Dirigismus ignoranter und arroganter 'Kulturbürokraten' zu leisten
und Zeichen dagegen zu setzen."
Ulrich Wegenast, Kurator des Stuttgarter Filmwinters, des
Stuttgarter Internationalen Trickfilm-Festivals und des Europäischen
Kurzfilmfestivals Ludwigsburg, findet, "Dieser neurotische
'Kulturkampf' von Franz Morak - da fällt mir immer dieser schlechte
Song von ihm ein: billiger Rock'n'Roll - schadet der österreichischen
Filmbranche und der österreichischen Kultur im Allgemeinen. Morak hat
mittlerweile wirklich die letzte Glaubwürdigkeit verloren, und man
kann von außen nur mit Befremden beobachten, wie ein gut
funktionierendes Festival für eindeutig politische Zwecke geopfert
wird."
... Frankreich, Italien und Tschechien
"Mit Sorge" verfolgt die Leiterin des
Festival International du Cinema au Feminin, Bordeaux, die
Entwicklung rund um die Diagonale: "Der augenscheinliche Wille der
neuen Diagonale-Direktion, ein Festival von internationaler Bedeutung
zu schaffen, zeigt meiner Ansicht den derzeit auch in der BRD
verbreiteten Willen, nur noch 'rentable' Filme und Festivals zu
unterstützen. "
Der Direktor des Internationalen Filmfestivals von Pesaro drückt
neben seiner "Solidarität und vollen Unterstützung" den Wunsch aus,
die Diagonale möge wiederhergestellt werden und ihren Platz unter den
europäischen Festivals wieder einnehmen.
"Totale Unterstützung" kommt
auch von den Direktoren des Filmfestivals Karlsbad (Karlovy Vary).
Und mit dem Hinweis, dass man selbst auch jenes Fernsehprogramm
verloren habe, das man zehn Jahre lang für das tschechische Fernsehen
gemacht habe, heißt es: "Wie Sie sehen, haben wir auch unsere
Moraks." (APA)