Der Merkel Max wird 85

10. Dezember 2003, 16:17
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Über Österreichs Fußball: "Ein ewiges bergauf und bergab, man gewöhnt sich daran" - Legendär: "Im ÖFB klappt nix, außer der Mittagspause"

Wien/München - Als Aktiver waren Ehrgeiz, Härte, Kampf und Athletik, als Trainer Sprüche, Erfolge, Zuckerbrot und Peitsche seine Markenzeichen. Eines hat sich jedoch auch im Ruhestand nicht geändert: Max Merkels große Liebe zum Fußball. Am zweiten Advent-Sonntag feiert "MM" in seiner Wahl-Heimat München bei bester Gesundheit seinen bereits 85. Geburtstag.

Der gebürtige Wiener, nur wenige Monate nach dem Ersten Weltkrieg am 7. Dezember 1918 als Sohn eines preußischen Offiziers und einer Wienerin geboren, ist auch im hohe Alter noch stets am Ball. "Ich schreibe nicht mehr täglich, aber regelmäßig Kolumnen für die Bild-Zeitung und besuche natürlich die Stadien", erzählt er. Natürlich hat er neben der deutschen Bundesliga dabei auch stets das Fußball-Geschehen in Österreich im Auge.

Gegenüber früher habe sich dort nicht viel geändert. "Es geht ewig einmal bergauf und dann bergab, so dass man sich daran schon gewöhnt hat", sagt Merkel. Momentan sei man halt unten und das würde sich auch nicht so schnell ändern, glaubt er.

Als Spieler neben Happel

Per Zeitungsinserat heuerte Merkel im Nachwuchs von Rapid an. Eigentlich wollte er immer Stürmer werden, doch man nahm ihn als Verteidiger auf und ließ in 1935 als 17-Jährigen in der Ersten debütieren. Abwehrspieler (u.a. neben Ernst Happel) blieb er im Verlauf seiner ganzen aktiven Karriere, die er mit 35 Jahren und zwei Länderspielen (je eines für Deutschland und Österreich) beendete.

Seine Laufbahn hatte ihn 1938 zum Wr. Sportclub, während des Krieges zu einem Luftwaffen-Team nach München, zu Markersdorf, zur Vienna und 1946 wieder zurück Hütteldorf und mit die Grünweißen fast um die ganz Welt geführt. Im März 1954 bestritt er sein letztes Spiel im Wr. Prater-Stadion gegen Flamengo. Danach wechselte Merkel ins Trainer-Lager, wo er sich im Laufe vieler Jahre Weltruhm erwarb.

Nur gute Erinnerungen

Die erste Station war 1954 ADO Den Haag, die letzte vor rund 20 Jahren FC Zürich. Dazwischen wurde Merkel mit verschiedenen Vereinen fünf Mal Meister, drei Mal Cupsieger und ein Mal Europacup-Finalist der Cupsieger. "Deutscher oder spanischer Meister wird man nicht alle Tage, schlechte Erinnerungen sind keine zurückgeblieben", blickt er auf seine Trainer-Ära zurück. Nach dieser arbeitete er in der Tabakbranche, als Autor und Kolumnist.

Als Letzter ist niemand vor seinem beißenden Humor gefeit. Den früheren DFB-Teamchef Berti Vogts beschrieb er in seinem "Läster-Lexikon" so: "Vogts ist der Erste, der auf einen Stuhl steigen muss, damit man ihn sieht." Und auch für seinen heimatlichen Verband, für den er in der Sekanina/Senekowitsch-Ära 1977/78 als Technischer Berater fungierte, hatte er einst auch keine Freundlichkeiten übrig: "Im ÖFB klappt nix, außer der Mittagspause".(APA)

Max Merkel, geboren am 7. Dezember 1918 in Wien:

Spieler-Stationen: Rapid, Wr. Sportclub, SV Neubiberg-München, SV Markersdorf, Vienna, Rapid

Trainer-Stationen: ADO Den Haag, Niederländisches Nationalteam, Rapid (1957 Meister), Borussia Dortmund, TSV 1860 München (1964 Cupsieger, 1965 Europacup-Finalist, 1966 Meister), 1. FC Nürnberg (1968 Meister), FC Sevilla, Atletico Madrid (1972 und 1973 jeweils Meister, Cupsieger, Liga-Cup-Gewinner), TSV 1860 München, FC Schalke 04, FC Augsburg, ÖFB (1977/78 Sportdirektor), Karlsruher SC, FC Zürich

Best of

"Basler ist die teuerste Parkuhr der Welt. Er steht rum - und die Bayern stopfen das Geld rein."

"Spieler vertragen kein Lob. Sie müssen täglich die Peitsche im Nacken fühlen."

"Im Training habe ich mal die Alkoholiker meiner Mannschaft gegen die Antialkoholiker spielen lassen. Die Alkoholiker gewannen 7:1. Da war's mir wurscht. Da hab i g'sagt: Sauft's weiter."

"In Dänemark habe ich nur Eier und Butter geholt, aber keine Fußballer."

"Der sollte von der Innsbrucker Universität ausgestellt werden. Einen Menschen mit so wenig Hirn gibt's ja net." (über Friedl Koncilia)

"Die wissen nicht einmal, dass im Ball Luft ist. Die glauben doch, der springt, weil ein Frosch drin ist." (über deutsche Funktionäre)

  • Seine flotte Zunge wurde von vielen gefürchtet: Max Merkel.

    Seine flotte Zunge wurde von vielen gefürchtet: Max Merkel.

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