Schlüsse der Studie zu Österreich: Diffuse und traditionelle Stereotypen

7. Dezember 2003, 20:25

"Extrem rechte und Neonazi-Gruppen haben ihre Aktivitäten seit 2000 intensiviert, ermutigt durch den FPÖ-Wahlerfolg im März 1999"

Über Österreich heißt es in dem EUMC-Bericht unter anderem:

In Österreich bilden Juden eine kleine Minderheit von etwa 8000 Personen, die hauptsächlich in Wien leben. Das österreichische Problem des Antisemitismus scheint sich eher auf diffuse und traditionelle Stereotypen zu konzentrieren als auf Akte physischer Gewalt. Extrem rechte und Neonazi-Gruppen haben ihre Aktivitäten seit 2000 intensiviert, ermutigt durch den FPÖ-Wahlerfolg im März 1999.

Antisemitismus ist eine ideologische Hauptkomponente der meisten extrem rechten Gruppen und deren Publikationen in Österreich. Im Laufe der letzten Jahre wurden Themen, die die Nazi-Vergangenheit betreffen, immer wieder öffentlich diskutiert. So wurden Demonstrationen gegen die Wehrmachtsausstellung veranstaltet, es gab eine Kontroverse über das 2000 eingeweihte Holocaust-Mahnmal und über die Frage der Restitutionen. (...)

Der Hauptstreitpunkt in vielen Diskussionen war, ob es antisemitisch sei, einzelne Juden oder die israelische Politik zu kritisieren oder zu beleidigen. Die Qualitätszeitungen lieferten eine ziemlich klare Antwort: Kritik an oder Diffamierung von Juden wegen ihrer jüdischen Identität sei tatsächlich ein Akt des Antisemitismus. Dagegen könne man die Kritik an der Arbeit oder dem Verhalten von Personen jüdischer Herkunft nicht als antisemitisch werten. Wir stimmen mit dieser Definition überein (...).

Einige Diskussionen zeigten aber, wie fließend die Konzepte von Antisemitismus und antiisraelischer Kritik sind. In dieser Grauzone wurden Ideen wie jene einer weltweiten jüdischen Verschwörung, die "political correctness diktiert", ziemlich offen zum Ausdruck gebracht. (...).

Die Analyse rechter Zeitungen zeigte, wie antiisraelische Äußerungen rechter Politiker und Journalisten mit dem Antisemitismus in Verbindung stehen und antisemitische Stereotypen auswalzen. In einem Interview (Zur Zeit, 31. 5. bis 6. 6. 2002) sprach Jörg Haider über den notwendigen Kampf gegen den Terror nach dem 11. 9. 2001, inklusive dem Kampf gegen "den Staatsterrorismus Israels gegen die Palästinenser". (...)

Haider beschuldigt die Medien, zu einer unvergleichlichen "Volksverdummung" beizutragen, indem sie die "wahren Hintergründe des machtpolitischen Konflikts in der Welt und besonders im Nahen Osten" verschleierten. (APA, red/DER STANDARD, Printausgabe, 4.12.2003)

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