Biedermeier und die Preis-Stifter

11. Dezember 2003, 00:19
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Bilanz der "Auktionswoche" im Dorotheum

Wien - Das Pensum an großen Auktionen beschloss das Dorotheum vergangene Woche mit der letzten Auktionswoche des Jahres. Und auch wenn die Unternehmensführung keine Bilanzen mehr veröffentlicht, so können über die Auktionsumsätze schon positive Rückschlüsse auf das Geschäftsjahr gezogen werden. Etwa in der Sektion Ölgemälde und Aquarelle des 19. Jahrhunderts, die zu Wochenbeginn mit 1,08 Millionen Euro den für heuer besten Umsatz erzielten.

Moderat angesetzte Taxen sorgten für Stimmung und verführten zu hohen Ansteigerungen, wie Elias Pieter van Bommels Eisläufer auf einem Kanal in Holland belegen. Für das 71,5 mal 106 cm große Ölbild fiel der Hammer bei 32.000 Euro statt der anberaumten 5000 bis 6000. Zu den teuersten Bildern dieser Sitzung erkoren die Bieter Friedrich Gauermanns Gemälde mit Pferden - es wechselte für 150.000 Euro in eine österreichische Sammlung - sowie Ferdinand Georg Waldmüllers Bildnis einer jungen Dame in weißem Kleid, für das ein Bieter 45.000 Euro (26.000 bis 34.000 €) bewilligte.

Biedermeier stand auch in der Sparte Möbel und dekorative Kunst in der Gunst des Publikums. Den höchsten Preis der Auktion streifte Experte Ulrich Prinz für einen um 1810 gefertigten Konsolentisch bei 12.000 Euro und damit ein Mehrfaches der Erwartungen (7000-8000 €) ein. 11.000 Euro war einem italienischen Händler der seltene spanische Refektoriumstisch aus dem 17. Jahrhundert wert. Jüngeren Datums war der um 1920 ausgeführte, wendbare Billiardtisch, für den ein Queue-Versierter 4500 Euro (5000-6000 €) hinterlegte.

Das ebenfalls vergangene Woche versteigerte Jugendstilangebot hatte keinen spezifischen Jubiläumsschwerpunkt für Objekte der Wiener Werkstätte gesetzt. Dennoch verlief die Auktion mit einem Nettoumsatz in der Höhe von knapp 588.000 Euro mehr als zufrieden stellend. Zu den Highlights gehörte dann allerdings doch ein WW-Stück, die nach einem Entwurf (um 1907) von Josef Hoffmann ausgeführte Brosche mit Lapislazuli wechselte für 55.000 Euro in Londoner Besitz, eine von Koloman Moser entworfene silberne Dose in Form eines Eis für 28.000 Euro.

Während französisches Glas der Manufaktur Gallé weniger nachgefragt war, durfte sich Expertin Julia Blaha für Daum über einige herausragende Ergebnisse freuen: So wurde eine Daum-Vase mit Fledermausmotiv, um 1900/ 1910, zur unteren Taxe von 30.000 Euro zugeschlagen.

Den besten Umsatz seit Jahren heimste schließlich die Sparte Klassische Moderne und zeitgenössische Kunst ein: 1,732 Mio. Euro, bei einer Verkaufsquote von 50 Prozent. Der höchste Zuschlag von 75.000 Euro entfiel hier ex aequo auf Jean Eggers St. Martin am Silberberg und Antonio Tàpies' Komposition aus 1959, gefolgt von 70.000 Euro für eine Klimt-Farbstiftzeichnung von 1903/04 zu dem Gemälde Hoffnung I.
(DER STANDARD, Printausgabe, 4.12.2003)

Von Olga Kronsteiner
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