"S.W.A.T. – Die Spezialeinheit": Baby, Baby, baller, baller

15. Juli 2004, 12:34
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Missratene Kino-Action: "S.W.A.T. - Die Spezialeinheit" von Clark Johnson

Wien - Gitarren heulen lautstark auf: Wo es gilt, die harte Arbeit ins rechte Licht zu rücken, darf man um Pathos und um Sätze wie "Ihr wart echte Helden da draußen!" nicht verlegen sein. Klotzen statt kleckern, lautet die Devise.

Wir sind im Bubenkino. Es wird geballert, geböllert und gepoltert, dass es eine Freude ist. Hier geht man eben holzschnittartig ans Erzählen: Die erste Hälfte von S.W.A.T. - Die Spezialeinheit sieht deshalb auch aus wie ein auffrisierter Werbespot für die Eingreiftruppe des Polizei-Departments von Los Angeles, deren Logo für "Special Weapons And Tactics" steht.

Sergeant "Hondo" Harrelson (Samuel L. Jackson) stellt gerade eine neue Truppe zusammen. Einer, der "Sojawürstchen" statt Burger bestellt, ist kein Kandidat für die Spezialeinheit - das kapiert noch der beschränkteste Zuschauer.

Mit dabei hingegen: der jugendliche Held (Colin Farrell) mit dem schönen Namen Street - sechs Monate Strafdienst in der Waffenkammer, körperliche Ertüchtigung und die Gesellschaft seines treuen Hundes haben ihn (nach Auszug der Freundin) vom Hang zum draufgängerischen Alleingang geheilt -, der schwarze Straßenpolizist Deke (LL Cool J), der bei Verfolgungsjagden Kondition bewiesen hat, und die junge, schlagkräftige Latina-Single-Mom Chris (Michelle Rodriguez), deren Anwesenheit den hohen Testosteronspiegel nur ein wenig senken hilft.

In der zweiten Hälfte versucht Regisseur Clark Johnson (der unter anderem Homicide, Third Watch oder NYPD Blue inszenierte) dann vergeblich, dem Action-Kammerspiel neues Leben einzuhauchen: Ein im Verlauf der Handlung aus dem Hut gezauberter (d. h. aus dem Ausland eingereister) verhafteter Superverbrecher (Olivier Martinez) macht seinen Bewachern das Leben schwer, indem er vor laufenden Kameras 100 Millionen Dollar Belohnung für seine Befreiung in Aussicht stellt.

Böse Buben Das ruft nicht nur jede Menge böser Buben auf den Plan, die häufig aussehen wie die missratenen Brüder von Fernsehkoch Zacherl - es sorgt endlich auch für ein bisschen unfreiwillige, aber zu diesem Zeitpunkt bereits sehr willkommene Komik. Mit anderen Worten: Bei weniger publicityträchtiger Besetzung wäre S.W.A.T. wohl allerhöchstens ein Kandidat für einen Straight-to-Video-Release geworden. (DER STANDARD, Printausgabe, 4.12.2003)

Von Isabella Reicher

Links

swat-der-film.de

sonypictures.com/ s.w.a.t.

Ab 5.12. im Kino
  • Ausnahmsweise ohne Sonnenbrille auf der Pirsch nach bösen Buben: die ansonsten bestens ausgerüsteten "S.W.A.T."- Mitglieder Brian Van Holt (li.), Colin Farrell und Michelle Rodriguez.
    foto: columbia

    Ausnahmsweise ohne Sonnenbrille auf der Pirsch nach bösen Buben: die ansonsten bestens ausgerüsteten "S.W.A.T."- Mitglieder Brian Van Holt (li.), Colin Farrell und Michelle Rodriguez.

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