Popkomm blickt zum Nachbarn

8. Dezember 2003, 21:37
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Optimismus für neuen Anlauf 2004 in Berlin mit Frankreich als Partnerland

Berlin - Die Popkomm, eine der größten Musikmessen der Welt, startet 2004 mit neuem Konzept und einem Schwerpunkt zur französischen Szene ihre Premiere in Berlin. Mit einem jährlich wechselnden Partnerland sollen die europäische Musikmärkte größeres Gehör finden, teilten die Veranstalter am Mittwoch mit. Neben Bands und Plattenfirmen bekommen auch nahe Branchen wie Film und Mode oder Anbieter digitaler Spiele ein Forum. Ein Freiluftspektakel mit Konzerten wie beim Ringfest am langjährigen Standort Köln soll es in Berlin nicht geben. Die erste Popkomm an der Spree läuft vom 29. September bis 1. Oktober 2004.

Die von Umsatzeinbrüchen und CD-Kopien gebeutelte Plattenindustrie setzt große Hoffnungen auf den Neustart ihres wichtigsten europäischen Treffs. "Wir sehen die große Chance, die Messe stärker auf das Produkt Musik zu fokussieren und ihre Internationalität zu stärken", sagte Gerd Gebhardt, Vorsitzender der deutschen Phonoverbände. Angesichts des zuletzt geringeren Echos bei Ausstellern und Fachbesuchern sei der Umzug nach 15 Jahren am Rhein notwendig gewesen. Zum Abschied aus Köln war die Zahl der Besucher im Sommer um fast ein Drittel auf rund 10.000 gesunken. Das soll sich in Berlin ändern. "Wir müssen kräftig zulegen und werden das auch tun", sagte Christian Göke, Geschäftsführer der Messe Berlin.

Weg von den Ferienwochen

Aufwind verspricht sich die Branche auch davon, dass der Messetermin von Mitte August in den Herbst verlegt worden ist - pünktlich im September als umsatzstärkstem Monat soll die Popkomm werbewirksam das Weihnachtsgeschäft einläuten und Neuveröffentlichungen eine Bühne bieten. Aussteller und Besucher aus Italien oder Frankreich müssen nicht mehr wegen ihrer Ferien auf die Teilnahme verzichten. Leichter als bisher sollen Künstler mit Produzenten und Managern in Kontakt kommen, erwartete Jens Michow vom Bundesverband der Veranstaltungswirtschaft. "Bisher sind wir dafür nach Kanada oder in die Niederlande gefahren."

Als teils kostenloses Showspektakel für Musikfans rückt die "neue" Popkomm allerdings stärker in den Hintergrund. Für jedermann öffnet die Messe nur am letzten der drei Tage. Statt eines öffentlichen Open-Air-Festes wie in Köln sollen Berliner Clubs mit kleineren Live- Auftritten und Plattenpräsentationen locken. Mit Tourveranstaltern wird aber über "hochkarätige Konzertevents" während der Popkomm-Tage gesprochen. Vorrangig als große Party sei die Messe nicht zu verstehen, sagte Michow: "Sie ist ein Marktplatz, und das sollte sie auch sein."

Mit hohen Erwartungen blicken die Macher auch auf das neue Umfeld der Messe in Berlin. Nach dem Umzug großer Plattenfirmen wie Sony und Universal erzielt die deutsche Branche inzwischen rund 60 Prozent ihres Umsatzes in der Hauptstadt. Im nächsten Jahr kommt auch der Musiksender MTV von München nach Berlin. (APA/dpa)

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    grafik: popkomm
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