Krankls Hoffnung heißt Schweden

5. Dezember 2003, 18:13
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Frankreich bleibt EM-Favorit des Teamchefs - Letten als Vorbild nehmen - Auch für Krankl war Ivanschitz "Fußballer des Jahres" - ein Interview

Wien - Welchen Gegner er am Freitag in Frankfurt/Main bei der Auslosung für die WM-Qualifikation 2006 aus Topf eins am liebsten hätte und welchen er absolut nicht haben muss. Wer für ihn nach der Gruppen-Einteilung für die Euro 2004 in Portugal großer Favorit ist. Wer für ihn "Fußballer des Jahres" war. Zu all diesen aktuellen Fragen stand ÖFB-Teamchef Hans Krankl in einem APA-Interview Rede und Antwort.

Was sagen Sie zur am Sonntag in Lissabon vorgenommenen Gruppen-Auslosung für die EM-Endrunde 2004?
KRANKL:
"Tschechien und Niederlande, unsere Gegner in der Qualifikation, haben sich Deutschland und Lettland ausgesucht. Eine überaus interessante und schwere Gruppe. Das scheinbar leichteste Los hat Italien erwischt. Otto Baric hat es mit Kroatien maximal schwer und zwei große Brocken gezogen. Und in A kommt es zum Iberer-Duell. Aber alle Gruppen haben ihren Reiz."

Wenn Sie die vier Vierer-Gruppen so betrachten, müssen sie jetzt Ihren Favoriten auf den EM-Titel überdenken?
KRANKL:
"Nein, meine Favoriten bleiben Frankreich als Nummer eins, dann kommen Tschechien und die Niederlande. Bei den Holländern erhebt sich jedoch die Frage, ob sie sich zusammenraufen oder streiten. Und ich habe auch Gastgeber Portugal, der eine starke Mannschaft hat, auf der Rechnung."

Am Freitag ist für Österreich in Frankfurt der große Lostag für die WM-Ausscheidung 2006. Wenn man sich dafür etwas wünschen könnte, was würde das sein?
KRANKL:
"Ich möchte nicht die Macht Frankreich. Aus Topf eins hätte ich gerne die Schweden, weil sie uns gefühlsmäßig ganz gut liegen. Aus dem Zweier wären Kroatien und Slowenien nicht so schlecht, aus dem Dreier Schottland oder die Slowakei zu schlagen, aus dem Fünfer bitte keine sowjetische Ex-Republik, sondern eher Zypern, Mazedonien oder Nordirland, aus dem Sechser Liechtenstein, San Marino oder Malta und aus dem Siebener Luxemburg."

Nach inoffiziellen Berechnungen sind wir nicht im Topf drei, sondern im Vierer. Ist das Okay und hätten Sie lieber eine Sechser- oder Siebener-Gruppe?
KRANKL:
"Ich glaube eine Sechser und dass die kleineren Gruppen besser sind. Die Slowakei in Topf drei statt uns ist unfassbar und eine gute Frage. Ich kenne mich mit der Berechnung des Quotienten nicht so genau aus. Man muss es natürlich zur Kenntnis nehmen."

ÖFB-Präsident Friedrich Stickler hat auf der Jahresabschlussfeier gemeint, dass Österreich von dem "grässlichen 65. Platz in der FIFA-Weltrangliste" so rasch wie möglich wegkommen müsse. Wird das im dritten Jahr Ihrer Teamchef-Ära möglich sein?
KRANKL:
"Ja, von dort werden wir auch mit einer jungen Mannschaft, die international nicht so erfahren ist, wegkommen. Wir müssen mit guten Resultaten unser Ranking verbessern. Aber noch viel wichtiger ist, dass sich meine Burschen stabilisieren und Erfahrung sammeln, damit wir besser werden und 2008 dann so weit sind, um im eigenen Land gegen jeden Gegner konkurrenzfähig zu sein."

Das nächste Großereignis ist aber die WM-Endrunde 2006 in Deutschland, ist es mit einer so genannten günstigen Auslosung überhaupt denkbar, die Qualifikation zu schaffen?
KRANKL:
"Eine günstige Auslosung gibt es nicht, die können wir uns abschminken. Aber zu schaffen ist es immer, das hat die Vergangenheit stets gezeigt. Mit dem nötigen Können, mit der nötigen Qualität und natürlich auch mit dem nötigen Glück kann man Etwas erreichen. So wie zuletzt die Letten gegen den WM-Dritten Türkei. Es sollte auch unser Ansinnen und Ziel sein, die Großen zu ärgern und dem einen oder anderen ein Haxl zu stellen."

In der APA-Umfrage unter den Trainern der T-Mobile-Bundesliga wurde der Rapidler Andreas Ivanschitz, den Sie im Tschechien-Spiel zum jüngsten Team-Kapitän gemacht haben, zum "Fußballer des Jahres" erkoren. Wer war für Sie DER Spieler 2003 und warum?
KRANKL:
"Andi Ivanschitz, weil er heuer ganz einfach der junge Spieler war, der den größten Sprung gemacht hat. Er wurde bei Rapid vom Stammspieler zum Leistungsträger und hat auch in meinem Team gegen zwei große Nationen gezeigt, welch großes und längst noch nicht ausgeschöpftes Potenzial er besitzt."(APA)

  • "Die Slowakei in Topf drei statt uns ist unfassbar"

    "Die Slowakei in Topf drei statt uns ist unfassbar"

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