Kopftuch stört beim Putzen

2. Dezember 2003, 19:34
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EU-gefördertes Projekt setzt auf Aufklärung und Verhaltensänderung

Innsbruck - Eine 37-jährige türkische Staatsbürgerin und Muslimin lebt in Scheidung, ohne Job ist sie extrem gefährdet, ausgewiesen zu werden. Alle Versuche, sie in Reinigungsfirmen unterzubringen sind bisher daran gescheitert, dass die Frau Kopftuchträgerin ist, wobei die einzelnen Arbeitgeber keine Scheu haben, dieses "Argument" offen zu benennen. Rassismus am Arbeitsplatz hat viele Gesichter, sagt Selma Yildirim von der "Arge MigrantInnenberatung".

Mit dem EU-geförderten Equal-Projekt "Midas" versucht die Arbeitsgemeinschaft auf vier Ebenen Rassismus und Diskriminierung entgegenzuwirken, erklärt Arge-Geschäftsführer Gerhard Hetfleisch. Modul eins will die Selbstorganisation von Migranten stärken: 470 Migrantenvereine und Selbsthilfeorganisationen gibt es außerhalb von Wien, im Rahmen von Midas soll nun ein Netzwerk der Organisationen unterstützt werden, "Good-Practice-Beispiele" aus ganz Europa sollen eingebracht werden. Das Ziel ist, Migranten bessere Handlungsmöglichkeiten im Umgang mit Rassismen zu geben.

Ein zweiter Projektteil ist die Ausbildung von 14 interkulturellen Coaches, die derzeit in Graz, Klagenfurt und Innsbruck Praktikas absolvieren und ab 2004 von Betrieben engagiert werden können.

Ausgebucht ist derzeit das antirassistische Planspiel "miramix", obwohl es 320-fach im Einsatz ist. Das für Jugendliche in Schulen und Lehrwerkstätten bestimmte Gruppenspiel setzt unter anderem darauf, Toleranz durch den Abbau von Vorurteilen zu fördern. Modul vier, eine Materialiensammlung, ist noch am wenigsten konkretisiert. (hs/DER STANDARD, Printausgabe 03.12.2003)

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