Vom Schneesturm verweht

15. Jänner 2004, 09:22
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Umwerfend komisch und bezaubernd: "Slava's Snowshow" im Wiener Ronacher

Wien - Eigentlich müsste man hierzulande wieder einmal Nachhilfeunterricht in Sachen Komödie geben. Komisch ist nicht nur Kabarett. Und wenn irgendwo Clowns angekündigt werden, bitte nicht gleich "Nicht schon wieder!" rufen. So etwas nämlich wie Slava's Snowshow, die derzeit im Wiener Ronacher gegeben wird, sieht man so bald definitiv nicht wieder: Sprechen wir getrost von einem einsamen Entertainment-Highlight dieses Jahres.

Slava kommt aus Russland. Klar, er ist ein Clown, aber wenn er keine rote Nase tragen würde, dann könnte man ihn einfach als großen Tragikomiker bezeichnen. Und, ach ja, die rote Nase: Er trägt sie, die unter schwarzen Augenringen eher an einen Säuferzinken für Comicfiguren erinnert, eher mit der verzweifelten Würde von Rudolph, dem rotnasigen Rentier. Und darüber stünden ihm gewiss die Haare zu Berge, würden sie nicht immer wieder von einem Schneesturm verweht.

Rund um Slava stehen dann ein paar Winterkobolde herum, die ihrer brutal abstehenden Mützen-Ohrenschützer wegen von Kindern oft als "Elche" tituliert werden. In der Pause lassen sich diese Geschöpfe von Zuschauern gerne durch den Saal tragen. Überhaupt wirken alle sehr schutzbedürftig in dieser Show, die im Fluge vergeht, nicht zuletzt, weil man über allen Details und kunstvollen Pannen und Zaubereien, die sich hier gleichzeitig ereignen, jedes Zeitgefühl verliert.

Da werden kleine Schneeflocken zu übergroßen, schweren Bällen, später schweben vergleichbare Kugeln frei durchs Auditorium. Man müht sich mit schwerem Gepäck ab, aus dem sich nachher lediglich Luftballons in komisch unterschiedlicher Geschwindigkeit nach oben bewegen. Immer wieder geht es um Gegensätze wie "ganz schwer" und "leicht". "Leicht" wie "federleicht" oder "kinderleicht", aber insgesamt ist das alles hochkompliziert.

Slava ist übrigens auch schon in der Zirkusshow Al-legria aufgetreten. Die war manchen oft zu bombastisch und ausufernd. Slava solo hingegen - das ist das pure Gegenteil (wenn auch in Sachen Ausstattung nicht eben gespart wird). Kurz: Der schönste Weihnachtstraum, den man seinen Kindern und sich selbst dieser Tage schenken kann. Es muss ja nicht überall Hänsel und Gretel sein. (Claus Philipp/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 3. 12. 2003)

Bis 14. 12. täglich außer Montag im Wiener Ronacher.
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