Zilk: "Bombe war eine Auszeichnung"

4. Dezember 2003, 17:48
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Das Engagement vieler Opfer von damals ist heute immer noch ungebrochen

Der ausländerfeindlich motivierte Bombenterror von Franz Fuchs hat sein Ziel verfehlt. Das Engagement vieler Opfer von damals ist heute immer noch ungebrochen. Der Wiener Altbürgermeister Helmut Zilk wertet das Attentat, das 1993 seine linke Hand zerfetzte, heute sogar als "wichtigste Auszeichnung".

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Wir fahren zur Halbinsel Valdez. In Puerto Madryn bleiben wir die erste Nacht. Dort besuchen wir an der Bahia Loma die Seehundkolonie." Diesen Eintrag hat Theo Kelz (49) erst vor wenigen Tagen in seinem Internettagebuch veröffentlicht. Der begeisterte Biker ist wieder einmal auf Tour, diesmal durch Südamerika, zwischendurch liefert er Reiseberichte. Ganz unten steht: "Fortsetzung folgt ..."

Dass es immer weitergeht, daran hat der Polizist Kelz niemals Zweifel gelassen. Auch nachdem ihm am 24. August 1994 beide Unterarme weggerissen wurden, als er die bei der Klagenfurter Renner-Schule gefundene Rohrbombe untersuchen wollte. Als die Rettung eintraf, hörte der schwer Verletzte den Satz: "Armer Teufel. Besser, er hätte es nicht überlebt."

Doch Kelz' Lebenswille war ungebrochen, auch Dank der Unterstützung seiner Familie und der ärztlichen Hilfe. Als Theo Kelz am 9. März 2000 in der Innsbrucker Universitätsklinik aus der Narkose erwachte, hatte er zwei neue Hände aus Fleisch und Blut. Es war die weltweit erst zweite Transplantation dieser Art, durchgeführt von Universitätsprofessor Raimund Margreiter. Theo Kelz ist heute in der Polizeieinsatzleitstelle in Klagenfurt beschäftigt.

Viele Opfer, die durch Bomben von Franz Fuchs verletzt worden waren, leiden heute noch an den Folgen der schrecklichen Erlebnisse. Vor allem die seelischen Wunden heilen nur schwer.

Der Hartberger "Flüchtlingspfarrer" August Janisch war das erste Opfer der Briefbombenserie. Heute beschäftigen ihn die Ereignisse von damals nur mehr, wenn er darauf angesprochen werde. Aber "vergessen tu ich es nicht", meint der Geistliche, der 2001 in den Zisterzienserorden eingetreten ist. Unter den ersten Opfern war auch Silvana Meixner, damals Moderatorin der ORF-Sendung "Heimat, fremde Heimat". Sie ist heute Chefin vom Dienst und weiterhin Ansprechpartnerin für alle Volksgruppen.

Auch das Engagement von Maria Loley (78) konnte der Bombenterror nicht brechen. Sie setzt sich weiterhin in aller Stille, aber mit ganzer Kraft für Flüchtlinge ein. Nach mehreren gesundheitlichen Rückschlägen musste sie im vergangenen Sommer in ein Wohnheim in Niederösterreich übersiedeln. Vor kurzem wurde Maria Loley im Wiener Rathaus das Bundes-Ehrenzeichen verliehen.

Der Wiener Altbürgermeister Helmut Zilk (76), dessen linke Hand bei einer Briefbombendetonation verstümmelt wurde, wertet das Attentat heute als "die wichtigste Auszeichnung, die ich je erhalten habe". Die Zeit damals sei von Fremdenfeindlichkeit geprägt gewesen.

Fremdenhass und FPÖ

"Der Fremdenhass hat zwar besondere Impulse bekommen von der Politik der Freiheitlichen Partei, ich sag' das ehrlich, aber es hat sich niemand abzuputzen", so Zilk. "Was ich beleidigt wurde von meinen eigenen Gesinnungsgenossen in den Bezirken draußen, das ist quer durch die Bevölkerung gegangen, dieser Hass." (APA, simo/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 3.12.2003)

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    Helmut Zilk mit seinem Kreuz nach dem Attentat im AKH. Der Fremdenhass hat damals eine tiefe Spur durch die Gesellschaft gezogen, sagt er heute.

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    Maria Loley, Flüchtlingshelferin aus Poysdorf, blieb ihrem Engagement auch nach dem Attentat treu, heute muss sie aus gesundheitlichen Gründen leisertreten

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    Das erste Bombenopfer, Sivana Meixner, blieb ihrem Aufgabengebiet treu

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    Theo Kelz: Arme abgerissen, Augen verletzt, heute mit Motorrad in Südamerika.

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