Die wichtigste Nebensache?

6. Dezember 2003, 19:46
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Schröcksnadel und Mandl über Moneten und Maier - Ärger über die FIS: "Die Firma Rauch kommt über die Rennen in Kanada in unsere Primetime"

Lake Louise - Die Frage ist, ob der Damenskirennsport die wichtigste Nebensache des Skisports darstellt. Nein, sagt ÖSV-Präsident Peter Schröcksnadel, er ist ein Teil des Kerngeschäfts. "Kaum ein Formel-1-Rennen hat so gute Fernsehquoten wie ein Damenslalom." Unter Umständen, sagt ÖSV-Damenchef Herbert Mandl, denn zu den Damenrennen kommen doch erheblich weniger Zuschauer als zu den Rennen der Herren. Außerdem sind nach dem Ausfall von Lech nun wegen Schneemangels auch die Damenrennen in der Slowakei bedroht, wie FIS-Renndirektor Kurt Hoch in Lake Louise mitteilte. Und kein Ersatzort weit und breit.

Liegt das daran, dass der Damenrennsport schwer zu vermarkten ist? Nein, sagt Herr Schröcksnadel, das liege an der schlechten Vermarktungsstrategie der FIS und an dem Versäumnis, dass zu jedem Veranstalter ein Ersatzort nominiert werden müsste. Und zwar bereits bei der Vergabe der Rennen lang vor dem Winterbeginn.

Der Fehler der FIS

Nicht der Damenrennsport sei das Problem, sondern die Marketingstrategie der FIS, die über die italienische Firma Media Partners die internationalen TV-Rechte (ausgenommen die österreichischen) zu billig verklopfe. "Die Firma Rauch kommt dadurch über die Rennen in Kanada in unsere Primetime", sagt Peter Schröcksnadel, "zu einem Viertel des Preises, den wir verlangen. Ich verstehe Rauch, aber das ist ein Strukturfehler der FIS." Abgesehen davon ziehe Media Partners laut Schröcksnadel wegen ihrer schlechten Umsätze Geld von den Veranstaltern ab, statt Geld zu bringen. Schröcksnadel: "In Kanada hat der Veranstalter heuer sicher 25 Prozent weniger erhalten als im vergangenen Jahr."

Das steile Gefälle

Der Damenrennsport lasse sich sogar sehr gut verkaufen und biete ausgezeichnete Einkunftschancen. Renate Götschl, Michaela Dorfmeister und Alexandra Meissnitzer verdienen mehr als die meisten Herren, abgesehen von Hermann Maier und Stephan Eberharter. Mandl: "Aber das Gefälle ist natürlich steiler als bei den Herren. Wer noch nicht aufgezeigt hat, verdient nicht gut."

Könnte Maier bei all seiner Größe noch größer sein, wenn ihn eine internationale Agentur und nicht der ÖSV selber vermarktete? Schröcksnadel sagt Nein. "Wir haben uns umgehört, Agenturen eingeschaltet, niemand hat was zusammengebracht." Das Problem sei der Einzelsportler in einer Nationalmannschaft, Skihelden sind nationale Helden. Das habe den Umschwung im Zuschauerverhalten bewirkt, seit einigen Jahren kommen immer mehr Menschen zu den Rennen, der Trend zur totalen TV-Skiwelt sei umgedreht worden. Vor allem bei den Rennen in Österreich, so Schröcksnadel, mit denen der ÖSV Geld verdiene. Bereits so gut, dass die Drittellösung (ÖSV, Landesverband, Veranstalter) geändert wurde. Heuer erhält der veranstaltende Skiklub (zum Beispiel Schladming) nur mehr ein Fixum.

Andererseits sind internationale Sponsoren für nationale Helden eben fast nicht zu kriegen. "Aber dafür zahlen die nationalen Sponsoren für Helden wie Maier und Eberharter überproportional gut."

Und der ÖSV habe noch nie so viele Sponsoren in Österreich gehabt wie derzeit. Dennoch sei ein Ersatz für Lech nur schwer aufzutreiben. Weil der ÖSV schon 14 Rennen durchführt und jedes zusätzliche Rennen vom dafür vorgesehenen Sponsorkuchen bezahlt werden muss, was die Schnitte für die anderen und den Verband verkleinert. Schröcksnadel: "Nicht der Damenrennsport ist die Nebensache, der Sport in der FIS ist ausgezeichnet. Aber das Marketing hat sich leider nicht mitentwickelt." (DER STANDARD Printausgabe, 02.12.2003, Skocek)

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