Raimund-Hattrick

8. Dezember 2003, 21:20
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Drei Premieren in fünf Tagen: "Der Alpenkönig und der Menschenfeind" und zweimal "Der Bauer als Millionär"

Wien/Linz - Mit großer Spannung wird die kommende Premiere im Theater in der Josefstadt erwartet: Nach einigen Flops und Krisengerede ist "Der Alpenkönig und der Menschenfeind" in der Inszenierung von Hans Gratzer und Hanspeter Horner mit Sicherheit keine Produktion wie jede andere. Doch ist dies nur ein Teil eines wahren Ferdinand Raimund-Booms, der in den kommenden Tagen in Wien und Linz sichtbar wird: Ebenfalls am Donnerstag (4.12.) bringt Meret Barz im Landestheater Linz "Der Bauer als Millionär" heraus, ehe vier Tage später (8.12.) Stephan Bruckmeier dasselbe Stück am Volkstheater Wien inszeniert. Auch hier sind die Konstellationen interessant: Barz hat schon lange keine Regiearbeit vorgelegt, und Bruckmeier gibt mit der Inszenierung quasi die Visitkarte für seine Volkstheater-Bewerbung ab.

Bei der Uraufführung von "Der Alpenkönig und der Menschenfeind" im Theater in der Josefstadt spielte Raimund 1828 selbst den Rappelkopf - mit 38 Jahren. In der späteren Aufführungsgeschichte wurde die Rolle jedoch meist von wesentlich älteren, gereiften Charakterschauspielern interpretiert. Die Josefstadt hat mit Herbert Föttinger (43) eine ungewöhnlich junge Besetzung für den alten Griesgram aufgeboten - und kehrt gleichsam zu Raimunds Ur-Intentionen zurück. Wie weit das auch für Inszenierung, Kostüme und Bühnenbild (Rolf Langenfass) sowie für die Musik (Gerhard Gruber) gilt, kann ab Donnerstag beurteilt werden.

Den Alpenkönig Astragalus spielt Erich Schleyer, den Habakuk Ossy Kolmann, den Silbern Siegfried Walther, Sandra Cervik spielt die Sophie. Die nach Angaben des Hauses bisher einzige Vorstellungsserie des bekannten Stückes an der Josefstadt fand übrigens im Jahr 1833 statt.

"Vom Sportlichen ist das toll. Es ist wie Austria gegen Rapid", hatte Stephan Bruckmeier (41) kürzlich die Tatsache kommentiert, dass er wenige Tage darauf (8.12.) mit Raimunds "Der Bauer als Millionär" im Volkstheater Premiere hat, "Ich glaube, wir werden recht weit auseinander liegen." Auch er hat mit Erwin Steinhauer als Fortunatus Wurzel, Fritz Muliar als Hohes Alter und Gabriele Schuchter als Zufriedenheit eine prominente Besetzung anzubieten. Bruckmeier: "Ich versuche das Stück als anspruchsvolles Märchen zu erzählen. Ich bürste es nicht gegen den Strich, hole es aber sehr in die heutige Realität."

Bereits ab 4. Dezember ist Meret Barz' Version des Stückes an den Kammerspielen des Linzer Landestheaters zu sehen. Die 43-jährige Schweizerin lebt seit 1982 in Wien und hat hier mit ihrem Beinhardt-Ensemble vor allem in den achtziger Jahren immer wieder für Aufsehen gesorgt. Ihr bisher einziger Seitensprung ins Stadttheater endete 1992 in Klagenfurt mit der Absetzung ihrer Inszenierung von Lina Wertmüllers "Liebe und Anarchie" noch vor der Premiere.

In Linz ist sie nun für einen Kollegen eingesprungen und hat sich im Schnelldurchgang einen eigenen Zugang zu Raimund erarbeitet. "Ich lebe zwar schon so lange in Wien, aber mit dieser Art Volkstheater habe ich nie etwas anfangen können", bekannte sie in den "Oberösterreichischen Nachrichten". Sie hat das Stück entschlackt und ist nun überzeugt: "Raimund könnte sich damit identifizieren." (APA)

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