FIFA-Präsident Blatter: "Rede mit der G14 nicht mehr"

5. Dezember 2003, 14:34
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Große Reform im FIFA-Jubiläumsjahr - Ligen-Reduzierung gefordert

Frankfurt/Main - Mit einer Kampfansage an Europas Großvereine und der Ankündigung einer umfassenden Reform im kommenden Jahr hat Joseph Blatter am Dienstag die Sitzungswoche des Welt-Fußballverbandes in Frankfurt zur WM 2006 eröffnet. Der FIFA-Präsident nutzte ein Gespräch mit Journalisten zur Generalabrechnung mit der Club-Vereinigung "G14" und ihrem Vize-Präsidenten Karl-Heinz Rummenigge. "Ich rede mit der G14 als Gruppierung nicht mehr", verkündete der 63-jährige Schweizer, "sie ist keine anerkannte Institution in Europa oder des europäischen Fußballs."

Blatter lehnt Rummenigges Forderung nach 70 Millionen Euro Abstellungsgebühren für Welt- und Europameisterschaften kategorisch ab und sieht sich dabei im Einklang mit der Europäischen Fußball-Union (UEFA). Die Ankündigung der G14, vor ein Gericht zu ziehen, beeindruckt ihn dabei ebenso wenig wie Drohungen der Vereine, man werde die Spieler dann eben nicht mehr für Nationalmannschaften freistellen.

Blatter glaubt nicht an Boykott

"Ich bin davon überzeugt, dass es zu keinem Boykott oder ähnlichen Manifestationen kommen wird", sagte Blatter. An die Adresse von Bayern Münchens Vorstandsvorsitzenden Rummenigge, der sich zum G14-Wortführer gemacht hatte, fügte er an: "Es nutzt nichts, wenn Club-Gewaltige in die Welt hinausschmettern, dass sie vor Gericht gehen."

Für Blatter ist indes die Zeit gekommen, die Machtstrukturen im Welt-Fußball zu manifestieren und dabei die ins Wanken geratene Position der Dach- und Nationalverbände gegenüber den Profivereinen zu stärken. Dies soll beim Jubiläumskongress zum 100-jährigen FIFA-Bestehen im Mai in Paris geschehen, für den Blatter eine einschneidende Resolution vorbereiten lässt. Sie soll Belastungsgrenzen für Spieler regeln und wirtschaftliche Exzesse der Vereine verhindern.

Reduzierung der Spiele?

Sollte dieser Entscheid durchgehen, werden die Vereine ihre Spieler nur noch in maximal 45 nationalen Pflichtspielen einsetzen dürfen. Damit wäre die von Blatter angestrebte Reduzierung einiger nationaler Ligen nicht mehr zu verhindern. Der Schweizer sieht die Idealzahl in den nationalen Ligen bei 16 bis 18 Teams, abhängig davon, wie häufig noch Spiele im Verbands- und Ligapokal angesetzt sind. Von den großen nationalen Verbänden erfüllt lediglich Deutschland mit den 34 Bundesliga-Spielen, den sechs Runden im DFB-Pokal und maximal drei Ligapokal-Spielen schon jetzt die Blatter-Norm. In England, Spanien und Italien käme es zu drastischen Einschnitten.

Bei aller Terminhatz hält Blatter an der umstrittenen Club-WM eisern fest. 2004 soll das Teilnehmerfeld sogar auf zwölf bis 16 Mannschaften aufgestockt werden, die in Südostasien oder Nordamerika um den Titel spielen. Im Gegenzug soll der Konföderationen-Pokal nur noch alle vier Jahre, stets zwölf Monate vor einer WM, als Generalprobe im Gastgeberland stattfinden.(APA/dpa)

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FIFA

  • Blatter pfeift auf die Meinung der G14.

    Blatter pfeift auf die Meinung der G14.

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