Pressestimmen: "Geschlagene sind in der Offensive"

3. Dezember 2003, 09:10
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"Happy End ist nicht in Sicht"

Frankfurt/Berlin - Die Probleme der Amerikaner und ihrer Verbündeten im Irak werden auch am Dienstag in der europäischen Presse kommentiert:

"Frankfurter Rundschau":

"Die Gegner der Besatzung im Irak haben ihren Kampf ausgeweitet: Zunehmend zielen ihre Anschläge auf die Alliierten der USA sowie auf ausländische Zivilisten. Die Angriffe treffen Staaten, in denen das Engagement im Irak umstritten ist. Ziel der Anschläge könnte sein, den innenpolitischen Druck so zu erhöhen, dass US-Verbündeten sich aus dem Irak zurückziehen. (...) Die Angriffe auf Ausländer zeigen Wirkung. Die Vereinten Nationen und das Rote Kreuz haben ihre Präsenz nach Anschlägen auf ihre Einrichtungen deutlich verringert. (...) Die US-Truppen sehen sich indes irakischen Vorwürfen ausgesetzt, in ihrer Gegenwehr willkürlich vorzugehen."

"tageszeitung":

"Genau an den Schwachpunkten der Besatzung greift die irakische Guerilla an. Bei den ausländischen Toten der letzten Tage handelt es sich allesamt um Angehörige der 'Koalition der Willigen', die den Amerikanern in der Irak-Besatzung zur Seite steht - und in allen Herkunftsländern stößt der Schulterschluss der jeweiligen Regierung mit den USA auf heftigen Widerspruch. Das ist auch der irakischen Guerilla nicht entgangen. Sie wird nicht ernsthaft glauben, dass ihre Operationen kurzfristig zum Rückzug ausländischer Kontingente führen. Aber sie hat sicherlich bewirkt, dass weitere Länder sich ein Engagement im Irak sehr genau überlegen werden. Das kann tatsächlich zu einer gewissen internationalen Isolation Washingtons führen."

"Abendzeitung":

"Ende der größeren Kampfhandlungen? Das Schlimmste ist vorbei? Die Angriffe im Irak nehmen ab? Die Ankündigungen und Versprechungen der US-Regierung sind blanker Hohn: Kein Tag ohne Gewalt gegen die Besatzer, kein Tag ohne Anschläge, kein Tag ohne Tote. Das irakische Abenteuer des George W. Bush - eine grausame Fortsetzungsgeschichte, ein Happy End ist nicht in Sicht. Im Gegenteil: Nur zu gerne hätten Militärs, Politiker und Geheimdienste Antwort auf die Frage: Wer steckt hinter dem Widerstand? Gibt es ein 'Mastermind', ist es gar Saddam Hussein selbst, der noch Fäden zieht? (...) Nichts hätte die prekäre Sicherheitslage besser illustrieren können als die bizarre Truthahn-Aktion von Präsident Bush an Thanksgiving. Doch die Aktion ändert nichts daran: Die Geschlagenen des Krieges sind in der Offensive, und im Visier sind nicht mehr nur Amerikaner und Briten."

"Handelsblatt":

"Der Widerstand gegen die US-Truppen im Irak und ihre Verbündeten nimmt nicht nur an Intensität zu. Die Aufständischen sind auch immer besser koordiniert und verfügen offenbar über Informanten innerhalb der Besatzungsmächte. Zum Beispiel am Sonntag in Samarra (...) Dort hatten die Angreifer im Vorhinein gewusst, wann und wo die Nachschubkolonnen der Amerikaner durch die Stadt kommen würden. Sie könnten es von einer bei den Amerikanern platzierten 'Quelle' erfahren haben - die Besatzer sind auf die Hilfsdienste örtlicher Dolmetscher angewiesen -, oder es aus bloßem Beobachten der routinemäßigen Bewegungen der Amerikaner geschlussfolgert haben. Auch bei früheren Aktionen stellte sich die Frage nach möglichen undichten Stellen bei den Besatzern. (...) Nach Beobachtungen der UNO breitet sich im Irak zudem das Netzwerk von Al Kaida fast ungebremst aus. Inzwischen sei das Land zum 'Schlachtfeld' für die Terrororganisation Osama bin Ladens und Anhänger anderer muslimischer Kampfgruppen geworden." (APA/dpa)

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