Das Missverständnis

7. Jänner 2004, 15:00
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Wann wäre der ORF verloren? Wenn er auf Kultur- und Bildungsauftrag reduziert würde, sagt Programmdirektor Reinhard Scolik

Wann wäre der ORF verloren? Wenn er auf Kultur- und Bildungsauftrag reduziert würde, sagt Programmdirektor Reinhard Scolik. Und ergänzt das dann noch rasch um die Information, die ja auch zum Kernauftrag von öffentlich-rechtlichen Anstalten gehört, auch wenn sie im ORF ein Kollege verantwortet.

Das ist mit großer Wahrscheinlichkeit ein Missverständnis, das sich besonders deutlich im ORF-Programm auswirkt. Tatsächlich ist der ORF verloren, wenn er sich weiterhin als Kopieranstalt von Formaten betätigt, die in funktionierenden Fernsehmärkten Private verwenden, um Zuseher- und damit Werbeumsätze zu maximieren.

Kleine Teile eines Gesamtprogrammes

Scolik führt ins Treffen, dass der so angefeindete "Bachelor" auch schon bei der britischen BBC lief. Er vergisst nur zu erwähnen, dass nicht in den beiden gebührenfinanzierten Hauptprogrammen, sondern im für jüngere Seher gedachten und nur digital verbreiteten BBC 3. Der ORF spielt seine wenig öffentlich-rechtlichen "Rapportagen" ja auch in TW1.

"Bachelor" und "Dismissed" sind nur kleine Teile eines Gesamtprogrammes, wendet der Programmdirektor noch ein. Aber: Sie sind zugleich Höhepunkte einer Kommerzialisierung des ORF, die der heutige RTL-Direktor Gerhard Zeiler hier begonnen hat. Seinen Nachfolgern ist vorzuwerfen, dass sie sie nicht begrenzten. Just die aktuelle Geschäftsführung versprach Rückbesinnung und treibt den Trend auf eine neue Spitze.

Kleine Lichtblicke gibt es, Kreativität im Land zu suchen statt internationale Formate zu kaufen oder zu kopieren. Nachwuchsförderung im Film etwa mit zehn Kurzproduktionen eines Genres. Dem ORF muss noch mehr einfallen als dieser Ansatz, um seine Gebühren zu rechtfertigen. (DER STANDARD; Printausgabe, 2.12.2003)

Von Harald Fidler
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