Kein Schloss, keine (Hof-)Burg, keine Villa

2. Jänner 2004, 10:52
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Wo Klestils Nachfolgerin oder Nachfolger wohnen soll, ist offen

Wien - Die Sommervilla des Bundespräsidenten im steirischen Mürzsteg ist ein beschauliches Platzerl. Sie hat wenig gemeinsam mit Camp David, dem Freizeitquartier für den amerikanischen Präsidenten (aus dem sich George Bush kürzlich inkognito hinauschauffieren ließ, um nach Bagdad zu fliegen).

Aber weil es hierzulande halt doch als Privileg missverstanden wird, dass ein Politiker über eine Immobilie verfügen kann, hat die potenzielle VP-Präsidentschaftskandidatin Benita Ferrero-Waldner am Sonntag verkündet: "Ich glaube, es wäre auch gut, von einigen Privilegien wegzugehen, zum Beispiel der Amtsvilla oder dem ganz großen Schloss in der Steiermark."

Das so genannte Schloss, es wurde seinerzeit von Kaiser Franz Joseph als Jagdhaus genutzt, ist von einem engagierten Förster vor dem Verfall gerettet worden. Der seinerzeitige Bundespräsident Kurt Waldheim verbrachte dort jeweils die Weihnachtsfeiertage.

Eigentlicher Wohnsitz des Bundespräsidenten ist seit dem Amtsantritt von Franz Jonas 1965 eine Amtsvilla auf der Hohen Warte in Wien-Döbling. Dieser Bau im Standard der 50er-Jahre ist zwar mit Möbeln aus dem Bundesmobiliendepot fein ausgestattet - baulich gilt er aber als abgewohnt, unsicher und letztlich abrissreif.

Es gab Überlegungen, dem Bundespräsidenten künftig eine Amtswohnung in der Hofburg zur Verfügung zu stellen; das in Aussicht genommene Quartier ist aber inzwischen in ein Büro umgewandelt worden. Klestil, der nach seiner Operation an der Achillessehne nun wieder in der Hofburg arbeiten kann, muss weiterhin zwischen Hoher Warte und Präsidentschaftskanzlei pendeln. Privat hat er sich aber schon in der Wenzgasse im 13. Bezirk eine neue Villa einzurichten begonnen.

Wer immer ihm nachfolgt, wird wohl nicht auf der Hohen Warte einziehen: Auch Heinz Fischer, der vor der SPÖ-Nominierung am 8. oder 9. Jänner keinerlei Spekulationen anstellen will, verfügt über eine standesgemäße Unterkunft gegenüber vom Theater in der Josefstadt. Unweit von dort, von wo Adolf Schärf täglich seinen Arbeitsweg zur Präsidentschaftskanzlei antrat, damals noch zu Fuß. (cs/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 2.12.2003)

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