Betrieb des ORF in Gefahr

3. Dezember 2003, 09:34
20 Postings

Krisensitzungen: Ernste Zahlungsprobleme von Zulieferfirma Stage & Studio

Eine Krisensitzung ging Montag auf dem Küniglberg nahtlos in die nächste über. Die wichtigste Zulieferfirma des ORF hat nach Informationen vom Küniglberg ernste Zahlungsschwierigkeiten.

***

Die rund 150 Mitarbeiter von Stage & Studio - Kameraleute, Cutter, Studiotechniker - drohten Montag schon nicht mehr weiterzuarbeiten. Ihnen wurden ihre Gehälter nach Informationen aus dem ORF am 1. Dezember nicht ausbezahlt. Auch das Weihnachtsgeld wäre zu diesem Datum fällig gewesen.

Geht "25", "Willkommen Österreich" oder "Starmania" das Licht aus? Der Kaufmännische Direktor des ORF, Alexander Wrabetz, wollte auf Anfrage des STANDARD nicht bestätigen, dass dadurch der Betrieb des ORF infrage gestellt ist. Indirekt bestätigt er jedoch: "Wir sind in Gesprächen mit der Firma darüber, wie der Betrieb fortgesetzt wird und wie die 150 Mitarbeiter zu ihrem Geld kommen."

"Zahlungsunfähig"

Nach Informationen vom Küniglberg sprang der ORF Montag kurzfristig ein, um die Arbeitswilligkeit der Stage-Mitarbeiter und damit seinen Betrieb zu garantieren. Die Stage & Studio zu übernehmen habe man "nicht überlegt", sagt Wrabetz: "Es würde wenig dafür sprechen." Nach Einschätzung des ORF-Direktors ist das Zulieferunternehmen "im Kern gesund". Als eindeutiger Großkunde von Stage & Studio sollte er das beurteilen können.

Stage-Chef Karl Stagl schrieb in einem Brief an seine Mitarbeiter, "unsere Firma und ich selbst sind vorerst zahlungsunfähig". Er war bis Redaktionsschluss für eine Stellungnahme nicht erreichbar, sei "dauernd in Sitzungen", hieß es. Stagl unterhält neben Stage & Studio laut Firmendatenbanken eine Reihe weitere Firmenbeteiligungen, darunter eine nach ihm benannte Personalbereitstellungsgesellschaft und die Außenwerbefirma contain:ad.

Genaue Prüfung

Der Kreditschutzverband von 1870 (KSV) will Informationen über verzögerte Zahlungen insbesondere seit August nicht kommentieren. Auf Anfrage des STANDARD hieß es aber beim KSV, dass "die Bonität dieser Firma derzeit genau überprüft wird". Deshalb seien die entsprechenden Daten über Stage & Studio zur Zeit nicht abrufbar.

Der ORF steht gerade vor einer neuen Welle an Auslagerungen in Tochterfirmen, um den neuen Kollektivvertrag annähernd kostenneutral umsetzen zu können. Mit dem Kollektivvertrag werden wie berichtet mehr als 1000 bisher freie Mitarbeiter angestellt. (Harald Fidler/DER STANDARD; Printausgabe, 2.12.2003)

Share if you care.