"Niedertracht um Mitternacht" - STANDARD- Interview mit Chmelar & Prassl

21. Jänner 2004, 15:49
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Dieter Chmelar bekommt ein tägliches Newsmagazin, im März folgt eine Late-Night-Show

Ab 7. Jänner bekommt Dieter Chmelar ein tägliches Newsmagazin in ATV+, im März folgt eine wöchentliche Late-Night-Show. DER STANDARD sprach mit dem langjährigen ORF-Mann und seinem Produzenten Franz Prassl über ...

... den Unterschied von Chmelar um 18.30 zu spätabends

Prassl: Wie sich der Klestil beide Achillessehnen verletzt hat, wäre Chmelar aus Solidarität mit zwei Gipsfüßen in die Sendung gekommen. Eher in der Late-Night, 18.30 hätte er ein Foto von Achilles und würde fragen: Wer ist das?

Chmelar: Dann ein Gespräch mit Bewegungstrainer Hansi Hinterseer, der die Art der Fortbewegung schon lange mit Moonboots übt. Oder: Margot Löffler ist auch gestürzt: Es ist nicht viel passiert, nur ihre Frisur ist zerbrochen.

Prassl: Um 18.30 Uhr darf die Sendung gar nicht überbordend vergagt werden. Denn als nächste Meldung kommt vielleicht der Flugzeugabsturz in Vorarlberg.

... den Ablauf von "News Live"

Prassl: Eine halbe Stunde Tagesmagazin mit vier bis sechs Beiträgen, um 19 Uhr 15 Minuten Talk of the Day - Gast kann alles sein vom Bundeskanzler bis zum Clown.

Chmelar: Trifft sich vielleicht in dem Fall.

... das Vorbild von "News Live"

Chmelar: "Fox News". Die kopieren wir. Ein Schreibtisch, ein Typ, der alle Themen des Tages auf den Punkt bringt. Daneben sitzt eine attraktive, pfiffige, gescheite Frau, die wir gerade casten. Klingende Namen des ORF darunter.

Prassl: Sie soll dich herausfordern, nicht unbedingt schlagen. Aber wenn sie dich einmal, zweimal schlägt, ist das auch in Ordnung.

... seine Bewährungszeit

Prassl: Diese teuerste Produktion des Senders ist über ein Jahr hinaus gedacht.

... erhoffte Marktanteile

Prassl: Vier Prozent.

... seinen Abgang vom ORF

Chmelar: Der ORF hat mir viele Türen geöffnet, die hinaus war die größte Chance.

... den ORF einst ...

Chmelar: Hätte der ORF immer den mangelnden Mut wie heute gehabt, wären niemals "Kottan", "Mundl", "Club 2", "Wir", ein "Sport am Montag" entstanden. Heute gibt es sogar im Sport nur noch Verlautbarungsjournalismus. Die Sendungen entstanden alle unter einem Sektionschef aus dem Justizministerium als ORF-Chef, der sagte: "Macht's.

... und jetzt

Chmelar: Macht, das Hauptwort. Politik nach Gutsherrenart.

... den "Bachelor" und "Dismissed" im ORF, "Tausche Familie" in ATV+

Chmelar: Was davon mehr zum Nachdenken anregt, ist klar. Bachelor beweist mir ein unerträgliches Männer- und Frauenbild. Ein Mann wie vom Cover eines Silvia-Romans schlecht herunterfotografiert, ganzkörperölig und versammelt 25 identische Barbiepuppen um sich.

... Harald Schmidt

Chmelar: Weil sich der ORF nichts traut, staunen wir über deutsche Comedy. Dabei ist Schmidt etwas sehr Österreichisches: Niedertracht um Mitternacht. Wien ist die Welthauptstadt von Ranküne, Wuchtel, kleinen Gemeinheiten. Und wir schauen fassungslos, weil uns ein begnadeter Deutsacher das vorhüpft. (Harald Fidler/DER STANDARD; Printausgabe, 2.12.2003)

Zur Person

Chmelar (46) hat u.a. "AZ", "Basta", "Wiener", "Seitenblicke", "Vera"-Karenzvertretung und "Willkommen Österreich" hinter sich. Prassl ("Bild", "Gottschalk", ATV-Talks) produziert mit seiner Frau Elisabeth (ATV-"Headline Talk")

  • Dieter Chmelar
    foto: atvplus

    Dieter Chmelar

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