"Bachelor": Publikumsrat empfiehlt Einstellung

16. Dezember 2003, 11:19
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"Letzter Schrott", "langweiliger Mist" - Sorge um öffentlich-rechtlichen Ruf - Scolik: Programm für "Gesamtheit des Publikums"

Fast zwei Stunden lang hat der ORF-Publikumsrat am Montag über die TV-Formate "Der Bachelor" und "Dismissed" diskutiert. Schlusspunkt der Debatte: Die Publikumsvertreter empfahlen der ORF-Führung mehrheitlich, den "Bachelor" aus dem Programm zu nehmen. Einstimmig wurde die Empfehlung angenommen, dass der ORF Frauen- und Männerbilder im Unterhaltungs-TV wissenschaftlich untersuchen und in Informations- und Diskussionssendungen berücksichtigen soll. Auch eine Strategie, wie der ORF künftig auf internationale Programmtrends reagieren soll, wünschte man sich einstimmig.

"Letzter Schrott"

Einige Publikumsräte waren in ihrer Wortwahl nicht zimperlich, wenn es um den "Bachelor" ging: "Letzter Schott und letzter Trash" ist das Format etwa für Hans Preinfalk von der Arbeiterkammer. "Langweiliger Mist" lautete der Befund von Wilfried Seipel, Direktor des Kunsthistorischen Museums.

ORF-Generaldirektorin Monika Lindner kündigte an, man wolle "selbstverständlich eine Evaluierung dieser Programme auf wissenschaftlicher Basis durchführen". Ein Angebot, das nicht bei allen Publikumsräten Anklang fand. Nur die beiden kritisierten Sendungen zu evaluieren, sei "hinausgeworfenes Geld", so Andreas Kratschmar, für die Politische Akademie der ÖVP im Gremium.

"Bezeichnend"

ORF-Programmdirektor Reinhard Scolik betonte, dass der "Bachelor" nur in Österreich für derart heftige Diskussionen gesorgt habe - dies sei "bezeichnend". Für den ORF sei der Start des Formats "ein Serienstart wie viele andere". Es handle sich um "ein Spiel, das nicht repräsentativ für das ORF-Programm ist". Man müsse aber stets versuchen, die "Gesamtheit des Publikums" zu erreichen. Der ORF könne dabei nicht auf seinen Kultur- und Bildungsauftrag reduziert werden, warnte Scolik. "Dann wäre der ORF verloren."

Sorge um öffentlich-rechtlichen Ruf des ORF

Publikumsräte gaben indes zu bedenken, dass der ORF mit Formaten wie dem "Bachelor" seinen Ruf aufs Spiel setzen könnte. "Das Unternehmen tut sich da etwas an", so Preinfalk. "Ich möchte nicht, dass der ORF einen Schmuddel-Ruf bekommt." Für die Grüne Publikumsrätin Maria Windhager setzte der ORF mit der Entscheidung für den "Bachelor" "wirklich falsche Zeichen", was "aus unternehmensstrategischen Überlegungen nicht nachzuvollziehen" sei. "Es geht um eine Perspektive für den ORF, wie er sich in den nächsten Jahren als öffentlich-rechtlicher Sender positioniert."

Nicht bindend

Den von Willi Mernyi (ÖGB) eingebrachten Antrag, die Absetzung des "Bachelor" zu empfehlen, unterstützten schließlich zwölf Publikumsräte, acht waren dagegen und fünf enthielten sich. Der Empfehlung zur Analyse von Frauen- und Männerbildern im Unterhaltungs-Fernsehen sowie für klare Richtlinien bei der Reaktion auf Programmtrends stimmten alle Räte zu. Beschlüsse des Publikumsrats sind freilich für die ORF-Geschäftsführung, die die Programmhoheit innehat, in keiner Weise bindend. (APA)

  • "Letzter Schrott" oder "langweiliger Mist": ORF-Publikumsräte zum "Bachelor".
    foto: orf

    "Letzter Schrott" oder "langweiliger Mist": ORF-Publikumsräte zum "Bachelor".

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