Kick it like – Warren Buffet

4. Jänner 2004, 19:49
16 Postings

Das "Orakel von Omaha" erwirtschaftete sein komplettes Vermögen an der Börse - Das "Stock-Picking" machte ihn berühmt - Gastkommentar vom Michael Margules

Wer dieser Tage den Wirtschaftsteil der Tageszeitungen aufschlägt, stößt unter anderem auf Beiträge mit Überschriften wie „Nicht alle trauen der Börsenrally“, „Die Anleger sind noch immer verunsichert“, oder „Anziehende Kurse trotz konjunktureller Fragezeichen“. Mit Verlaub gefragt: Wann trauten alle steigenden Kursen? Wann waren die Anleger nicht verunsichert? Wann zog die Konjunktur vor den Aktienkursen an? Auf alle drei Fragen lautet die Antwort: Nie!

Orakel von Omaha

Das "Orakel von Omaha", wie der gemäß Statistik zweitreichste Mann der Welt (nach Microsoft-Gründer Bill Gates) genannt wird, erwirtschaftete sein komplettes Vermögen an der Börse. Das sogenannte „Stock-Picking“ machte ihn berühmt. Buffett investiert(e) ausschließlich nach Value-Ansätzen in Unternehmen mit hoher Marktdominanz, langfristig hohen Gewinnaussichten, tiefem Aktienkurs und hielt respektive hält die Position, bis die Titel gemäß seinen Berechnungen überbewertet sind.

Buffett widerstand Ende der Neunziger dem High-Tech-Boom und blieb seiner Linie treu, obwohl er sich so wie alle andern Value-Investoren insbesondere im Jahr 1999 heftiger Kritik ausgesetzt sah. Buffetts Firmen decken stets auch den Alltagsbedarf - nur Bodenständiges, kein technologischer Schnickschnack, keine Software, keine nicht greifbaren Dotcom-Phantome. Der Schwarzenegger-Berater, wiewohl selbst bekennender Anhänger der Demokratischen Partei, kaufte und erwirbt ausnahmslos Aktien, deren Story er verstand und hält an ihnen fest. So ließen ihn Weltkonzerne wie American Express, Coca-Cola und Gilette über die Jahre hinweg zum zigfachen Milliardär werden.

Das Buffett-Prinzip: 1+1=2

Was hat sich Warren Buffett, der Grossinvestor mit der goldenen Hand, gedacht, als er unter dem Dach der Berkshire Hathaway sein 130-Milliarden Dollar-Imperium von über 60 Unternehmen aufbaute? Möglicherweise Folgendes: Erst 70 Prozent der Amerikaner verfügen über Wohneigentum, aber der Häuserbau boomt seit Jahren. Buffett ist mit Acme Brick Co., Johns Manville und MiTek in der Branche gut vertreten. Für jene, die sich bauen nicht leisten können, bietet Buffett Fertighäuser und Mobilheime an (u. a. Clayton Homes). Die Häuser brauchen Farbe (Benjamin Moore & Co., US-Marktführer), Strom (MidAmerican Energy Holdings Co.), und sie müssen mit Teppichen ausgelegt (Shaw Industries, globaler Marktführer), möbliert und ausstaffiert werden (u. a. Scott Fetzer, das alle wichtigen Haushaltgeräte und -utensilien offeriert). Wer wohnt, muss essen (u. a. McLane Co., Dairy Queen) und Schuhe tragen (H.H. Brown Shoe Group, Justin Brands mit vier Marken).

Die Amerikaner brauchen weiterhin Unterhosen (Fruit of the Loom), die Kinder müssen angezogen werden (Garan Inc.), und unter Bush braucht es wohl auch Uniformen (Fechtheimer Brothers). Presente zu Geburtstag und Weihnachten sind Pflicht; warum nicht Schmuck (u. a. Ben Bridge Jeweler, Herzberg Diamonds)?. Und schließlich müssen Hab und Gut versichert und rückversichert werden. Etwa die Hälfte von Buffetts Geschäften sind Versicherungsunternehmen, einschliesslich Geico, eines der grössten und am schnellsten wachsenden Autoversicherer, und General Re, des weltweit drittgrössten Rückversicherers. Und was ist mit den Beteiligungen? Coca-Cola wird kaum aus der Mode kommen, Zähne putzen und rasieren muss man sich eh (Gillette), und die Amerikaner dürften weiterhin auf Pump kaufen (American Express).

Und der Privatanleger?

In rund 40 Jahren konnte Buffet sein Vermögen 25.000 mal vermehren, und auch für den Anleger wäre die „Aktie Buffett“ kein schlechtes Geschäft gewesen: Wer 1965 mit 10.000 US-Dollar in die Beteiligungsgesellschaft Berkshire Hathaway einstieg, würde heute über einen Depotwert von rund 5o Millionen US-Dollar verfügen!

Wichtig ist laut Buffett ein gutes Management und bodenständige Überlegungen - und dies gilt auch für jeden Privatanleger. Auf Basis Buffettscher Logik müsste die aktienlastige Anlageverteilung eines Normalinvestors aus heutiger Sicht wie folgt lauten:

  • das aktuelle Verschuldungsdilemma in den USA wie auch der übrigen Welt könnte ein nachhaltiges Inflationsszenario nach sich ziehen – darauf wäre die geeignete Anlegerrezeptur der Kauf von Gold(zertifikaten) oder den – allerdings schon stattlich bewerteten – Goldminenaktien
  • die aktuell vor sich gehende gigantische Verschiebung von Produktionskapazitäten in Richtung Asien oder Indien, gepaart mit Lohneinsparungen auf breitester Front in den etablierten Industrieländern könnte uns durchaus noch ein Deflationszenario bescheren – auch darauf wäre die geeignete Anlegerrezeptur der Kauf von Gold(zertifikaten) sowie Rohstoffaktien im allgemeinen
  • der Aufstieg der sogenannten Emerging Markets geht unaufhörlich weiter – da erscheint eine diesbezügliche (Fonds)Mixtur als geeignetes Mittel, mit Schwerpunkt auf Märkte wie Korea, Singapur, Indien und China

Übrigens: Die Kommentare des Meisterinvestors sind auf seiner Homepage vorzufinden.

Nachlese

--> Der Bushfaktor
--> Die Quadratur des Aktienkreises
--> Groß, größer, General Electric
--> USA in der Wachstumsfalle?
--> Buy on bad News!?
--> Die Schlechten ins Kröpfchen, ...
--> Hausse, Bärenmarktrallye oder Blase?
--> Anlagetipps von und mit George W. Bush
--> Alan Greenspans Heiratsantrag
--> Das 1x1 der Aktienbewertung
--> Wer hat Angst vor Fannie und Freddie?
--> Spieglein, Spieglein, an der Wand ...
--> High Noon zwischen Anleihen und Aktien
--> Bitte am Shareholder Value festhalten
--> Politischer Einfluss stützt Aktienrally
--> Widersprechen sich Aktien- und Bondmärkte?
--> Börsianer warten auf das Unwetter
--> Indexieren passé, Investieren olé
--> Der Dollar fällt und fällt und fällt ...
--> Vorsicht, Crash-Gefahr
--> Wieviel Seiten hat die Medaille?
--> Wo geht's hier zum Wachstum?
--> "Sell in May and go away ..."
--> Börsen vor der Trendwende
--> Drei Jahre Baisse reichen
--> Einer wird gewinnen
--> Schweigen in der Folterkammer
--> Politik beeinflußt die Börsen wenig
--> Die Baisse kann bis 2018 andauern...
--> 1:0 für Anleihen
--> Arme Rentner
--> Kanonendonner oder Kursfeuerwerk?
--> Gratis-Kredit für den Chef
--> Aktien-Lotto
--> Quo vadis, Greenback?
--> 100 minus Lebensalter = Börsenerfolg
--> „Bob the builder“ und US-Präsident Bush
--> Aktien oder Anleihen: The winner is ...
--> Dow Jones in Richtung 120.000
--> "Baissemarkt bis 2018"
--> Eine schöne Bescherung
--> Von Analys(t)en und Abhängigkeiten
--> Börsen vor "Happy Wende"
--> Wenn der Zauber nicht wirkt
--> Contrariens unter der Lupe
--> Börsencrash revisited
--> Jim Rogers küsst wieder in Wien
--> Bush, Greenspan, Bin Laden ...
--> Zum Verkaufen zu spät, zum Kaufen zu früh
--> Japan ist einen Börsenblick wert
--> Wie sicher sind Versicherungsaktien?
--> Droht ein neuer Ölpreisschock?

Michael Margules lebt als freier Journalist in Wien. Sein Gastkommentar "Börsenblick" erscheint wöchentlich auf derStandard.at. Anlageempfehlungen stellen die persönliche Meinung des Autors dar.
  • Bild nicht mehr verfügbar
Share if you care.