Buwog-Privatisierung bringt deutlich weniger

3. Dezember 2003, 19:27
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Wohngesellschaften haben zwei Milliarden Schulden - Finanzminister holt sich laufend Vorschüsse

Wien - Die Erlöse aus den zur Privatisierung anstehenden fünf Bundeswohngesellschaften werden deutlich niedriger ausfallen als noch vor kurzem vermutet. Dies bestätigte am Wochenende ein Manager einer an der Privatisierung interessierten Gruppe. "Was erwarten sie denn? Die Gesellschaften haben 2 Mrd. Euro Verbindlichkeiten." 80 Prozent der Mieterlöse stammten aus "kostendeckenden", also niedrigen Mieten - was sich nur sehr langsam ändern werde.

"Außerdem holt sich der Finanzminister ja laufend Vorschüsse auf die Privatisierung", meinte der Manager, der ungenannt bleiben wollte. "Wenn sich Herr Grasser für 2003 noch einmal 60 Mio. Euro nimmt, ist das das Dreifache dessen, was im normalen Geschäft erwirtschaftet wird. Es ist ein alter Grundsatz, dass man den Kuchen nicht essen und behalten kann." 250 Mio. Euro hätte sich (inklusive der angekündigten Dividende 2003) der Fiskus seit dem Ende der Gemeinnützigkeit dann an Ausschüttungen geholt.

Eigenkapitalquote bei 16 Prozent

Der Gesamtschuldenstand der Bundeswohnbaugesellschaften beläuft sich nach den Angaben des Informanten auf 2 Mrd. Euro, die Eigenkapitalquote liegt bei 16 Prozent. 1,75 Mrd. Euro Schulden bestünden aus verzinstem Fremdkapital.

Zum möglichen Verkaufspreis meinte der Informant, dass die in der vergangenen Woche aus dem Finanzministerium stammenden Schätzungen (400 bis 500 Mio. Euro) "schon hinkommen" könnten. "Vielleicht werden es 600 Mio. Euro, wenn es jemand unbedingt will."

Zahlenangaben aus der Opposition mit bis zu 3 Mrd. Euro seien politisch motiviert und "absurd", aber auch der noch bis vor kurzem kolportierte Betrag von einer Milliarde Euro sei "weit überzogen". Da ohnedies alles auf eine Verbriefung hinauszulaufen scheine, überlege man sich noch, ob man überhaupt mitbieten werde, meinte der Immobilienexperte.

Bis 12. Dezember sollen die ersten unverbindlichen Angebote der 25 Interessenten auf dem Tisch liegen. (APA)

Siehe

Buwog & Co "werden verschleudert"
Kritik der Grünen am Wohnungsverkauf - Mit Kommentar

  • Zum Buwog-Besitz gehört auch das Sanatorium Purkersdorf, in das fast 14 Millionen Euro für den Erwerb des Grundstückes sowie Revitalisierung flossen.

    Zum Buwog-Besitz gehört auch das Sanatorium Purkersdorf, in das fast 14 Millionen Euro für den Erwerb des Grundstückes sowie Revitalisierung flossen.

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