Ein Mann als Existenzsicherung

1. Dezember 2003, 10:48
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Für junge Frauen eine Möglichkeit von vielen? Die Frauenbilder des "Bachelor" zu Gast bei "Offen gesagt"

Wien - "Was Frauen wirklich wollen" wurde am Sonntagabend in der ORF-Diskussionssendung "Offen gesagt" diskutiert. Anlass für die Themenwahl war die rege Debatte, die von der Romantik-Soap "Der Bachelor" losgetreten wurde. ORF-Generaldirektorin Monika Lindner hatte programmliche Gegengewichte zur als frauenfeindlich kritisierten "Lovetainment"-Show angekündigt.

Sexistisch und öde

Eine südfranzösische Villa, in der 25 Frauen um einen feschen Karrieremann im besten Alter buhlen - das ist das Konzept des "Bachelor", aber ist es das, "was Frauen wirklich wollen"? Eigentlich nicht, war die Ansicht der meisten DiskussionsteilnehmerInnen. Allerdings: Während Autorin und frühere Frauenforum-Proponentin Eva Rossmann das Format als "sexistisch und frauenfeindlich, aber auch öde" kritisierte, ist der "Bachlor" für Fred Kogel, Chef der Constantin-Film und früherer Herr über Sat.1, schlicht "Ausdruck eines Zeitgeistes" und ausschließlich der "Unterhaltung" dienend. Man würde die Macht des Fernsehens überschätzen, wenn einem einzelnen Format rollenstabilisierende Wirkung zugesprochen würde. Wenngleich die Darstellung der Frauen im ursprünglich aus den USA stammenden Format sehr der amerikanischen Realität entsprechen würde und in Europa eher gewöhnungsbedürftig sei.

"Gleichberechtigtes Spiel"

ORF-Programmentwickler Tobias Krause betonte, dass es sich bei der RTL-Koproduktion um ein "gleichberechtigtes Spiel" handle. "Die Frauen können jederzeit selbst entscheiden". Und auch die Schülerin und ehemalige Bundesschulrätin der ÖVP-nahen Schülerunion Claudia Haas bezeichnete die Show als "modern": Sie könne kein falsches Frauenbild entdecken, da doch alle Teilnehmerinnen einen Beruf ausübten.

Einen Knick in die Optik der vom ORF propagierten Kluft der Generationen brachte die Wiederausladung der derzeit amtierenden Bundesschulsprecherin Romana Brait im Vorfeld von "Offen gesagt". "Die Meinung der ÖVP zählt wohl mehr, als die von der demokratisch gewählten Bundesschulsprecherin", reagierte die Vertreterin der SP-nahen Aktion Kritischer SchülerInnen (AKS) verärgert. Im Gegensatz zu ihrer Vorgängerin sei für sie Frauenpolitik wirklich ein Thema, was sich u.a. in der Einsetzung eines eigenen Genderforschungs-Referats und der Umsetzung geschlechtssensibler Sprache zeige. Auf Anfrage von dieStandard.at kritisierte Brait "den Bachelor" als sexistisches und unmögliche Frauenbilder produzierendes Format. "Die Frauen werden fast ausschließlich halbnackt und als Sexobjekt dargestellt. Was das für eine Auswirkung auf Männer hat, sollte ebenfalls bedacht werden, schließlich werden Frauen von Männern aufgrund solcher Frauenbilder so oft belästigt bzw. angegriffen". Den "Bachelor" als reine Unterhaltung zu qualifizieren sei "eine Ausrede, die den Medien ihren gesellschaftspolitischen Auftrag entzieht", so Brait abschließend.

Ein Mann als Existenzsicherung?

Für Roswith Roth, Psychologin und Frauenbeauftrage, war klar, dass "die Frauen einem ganz traditionellen Frauenbild entsprechen. Sie müssen schmeicheln und dem Mann etwas bieten. Der soziale Druck ist da." Sorgen machte sich die StudentInnenberaterin auch um die ZuseherInnen der "unteren Schichten". Sie würden angesichts ihrer wenigen reellen beruflichen Chancen dazu animiert, auf einen Mann als Existenzsicherung zu hoffen, anstatt auf eigenen Füßen zu stehen.

Kaum diskutiert wurde am Sonntagabend jene Frage, die KritikerInnen in den vergangenen Wochen besonders beschäftigt hatte: Nämlich, ob Formaten wie dem "Bachelor" ein Platz im öffentlich-rechtlichen ORF zusteht. Krause monierte, dass angesichts der aktuellen "Aufregung" derzeit oft "verdrängt" werde, "was im ORF sonst noch alles zu sehen ist". Für Kogel machen die öffentlich-rechtlichen Medien "einen qualitativ guten Job". Roth war aber der Ansicht, dass die Frauenbilder im ORF "eher in eine Richtung, nämlich ins Traditionelle" gehen. Eva Rossmann richtete in punkto Repräsentation einen Appell an Krause, bei zukünftigen Diskussionsrunden doch auch öfter Expertinnen einzuladen anstatt die "immer gleichen bekannten Männergesichter".

Millionärsgattin schätzt "Format zum Träumen"

Überhaupt kein Problem mit dem "Bachlor" und seinen in TV-Kritiken mitunter als "Harem" geschmähten Villa-Mitbewohnerinnen hatte die Autorin Soheyla Sangi. Sie bezeichnete die Soap als "Format zum Träumen". Bei der Verwirklichung ähnlicher Träume will Sangis aktuelles Buch helfen: Die besten Methoden, um sich einen Millionär zu angeln, werden darin empfohlen. Sangi selbst ist bereits erfolgreiche und nach eigenem Bekunden hoch zufriedene Millionärsgattin. (APA/freu)

  • So erfolgreich wie ein Mann nur sein kann: "The Bachelor"
    foto: foto:orf/-.
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