Großanleger verlangen Nachhaltigkeit

22. Februar 2005, 20:09
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Unter Privaten ist "Sustainability" noch kein großer Trend - Institutionelle verhelfen ethischen Investments zu immer mehr Bedeutung - Mit Infografik

Nachhaltige Portfolios entwickeln sich praktisch parallel zum Gesamtmarkt, unterliegen aber geringeren Schwankungen.

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"Nachhaltige", "ethische" oder "Sustainability"-Fonds - viele Namen zielen auf denselben Inhalt ab - haben den Sprung zu einer großen Anlageklasse geschafft. Was als religiöses Minderheitenprogramm schon vor langer Zeit begann, ist zuletzt vor allem bei institutionellen Anlegern ein wesentliches Thema geworden: nämlich nachhaltige Gewinne im doppelten Sinn zu erzielen.

Viele Studien der vergangenen Jahre belegen, dass die so genannten "Social Responsible Investments" (SRI) zumindest gleich gut performen wie den Gesamtmarkt abdeckende Produkte.

Angelsächsischer Trend

Der Terminus SRI zeigt, dass der Trend sehr stark von den angelsächsischen Ländern getragen war und dort auch aktuell weiter verbreitet ist als in Mitteleuropa. Dabei ist der Zugang zur Nachhaltigkeit aber je nach Anbieter ein unterschiedlicher. Manche Fonds schließen Branchen oder Geschäftsbereiche generell aus.

Zu den häufigsten Ausschlusskriterien der Fonds zählen:

  • Rüstung, Tabak oder Kinderarbeit.
  • Andere Ansätze versuchen, die "nachhaltig besten" Investments jedes Sektors zu finden und so einen positiven Wettbewerb zwischen den Unternehmen auszulösen.
  • Die dritte Gruppe schließlich setzt auf Aktivismus, auf den Druck zur Veränderung, den der Aktionär auf Unternehmen ausüben kann.

Durch nachhaltige Veranlagungen relativiert sich der Glaube daran, dass Gewinne an der Börse unbedingt böse und/oder kapitalistisch sein müssen. Der Hintergrund der nachhaltigen Veranlagung ist die Überzeugung, dass Investoren an der Börse Verantwortung dafür haben, wo ihr Geld letztendlich eingesetzt wird.

Im Rahmen ethisch-nachhaltiger Veranlagung wird die Verantwortung von Investoren und Unternehmen gegenüber der gesamten - sozialen wie ökologischen - Umwelt mobilisiert.

"Investor Citizenship" bedeutet in diesem Zusammenhang, dass die Investoren im Rahmen der gesamten Stakeholdergemeinde der Unternehmen mit Umwelt, Mitarbeitern, Lieferanten etc. ihrer Verantwortung für die Schaffung eines nachhaltig geprägten Umfeldes nachkommen.

Verbesserte Risikoposition

Es gibt eine Vielzahl von Gründen, aus denen sich eine überdurchschnittliche ökonomische Entwicklung von "nachhaltigen Unternehmen" ableiten lässt. Dazu gehört etwa eine verbesserte Risikoposition dieser Unternehmen. Durch die besondere Berücksichtigung etwa ökologischer oder sozialer Kriterien wird das Unternehmen für eine strengere Gesetzgebung immunisiert. Zukünftige Kosten werden frühzeitig erkannt und berücksichtigt.

Nachhaltigkeit kann auch einen Wettbewerbsvorteil gegenüber der Konkurrenz bedeuten und das Image sowie die Wettbewerbsfähigkeit des Unternehmens verbessern. Speziell "nachhaltige Produkte" bieten zudem Innovationschancen für Unternehmen. Durch die langfristige Perspektive und die daraus resultierende geringere Zyklizität haben nachhaltige Portfolios eine geringere Schwankungsbreite, sprich weniger Risiko als Gesamtmarktprodukte. Innerhalb der einzelnen Sektoren sind defensiver Konsum (wie Lebensmitteleinzelhandel) und defensive Dienstleistungen (wie Telekom) zumeist überdurchschnittlich hoch gewichtet.

Dazu kommen in vergleichsweise überdurchschnittlicher Gewichtung Small und Mid Caps etwa im Bereich Umwelttechnologie. Die klassischen langfristigen Investoren an der Börse, die so genannten Institutionellen, Pensionskassen oder Versicherungen, haben sich zuletzt besonders stark der Nachhaltigkeit verschrieben.

Gesetzliche Verpflichtungen

Auch ausgelöst durch gesetzliche Verpflichtungen wie in Großbritannien, Schweden, Frankreich oder Deutschland wurden umfangreiche Mittel in Richtung SRI investiert.

In Österreich sind es die Mitarbeitervorsorgekassen, die zum Teil eine Vorreiterrolle innehaben. Die Intensität, mit der Unternehmen und vor allem auch multinationale Konzerne Nachhaltigkeitsberichte erstellen, um ihre Ausrichtung zu dokumentieren, ist einer der Faktoren, die gegen eine kurzfristige Modeerscheinung sprechen, wenn es um SRI geht.

Die privaten Investoren jedenfalls sind noch nicht auf den Zug aufgesprungen, letzten Umfragen zufolge ist der Terminus Nachhaltigkeit aber auch nur 13 Prozent der Bevölkerung ein Begriff. (Wolfgang Pinner, DER STANDARD, Printausgabe, 1.12.2003)

Wolfgang Pinner ist Chief Investment Officer der Vereinigten Pensionskassen

Sein Buch "Ethische Investments" erscheint Anfang Dezember im Gabler Verlag

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    Es muss nicht nur die saubere Windkraft sein, die in nachhaltigen Fonds "saubere" Gewinne bringen soll - Auch die jeweils Branchenbesten im Sinne der Gesamt- Verantwortung finden sich in solchen Fonds - Das können dann auch Ölfirmen oder Grundstoff- Industrien sein - Insgesamt weisen nachhaltige Portfolios aber eine geringere Schwankungs- Freudigkeit auf als der Gesamtmarkt

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    grafik: standard

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