Eva Maria Hobiger: Die Seele von "Aladins Wunderlampe"

2. Dezember 2003, 19:08
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Die Ärztin hilft in Basra krebskranken Kindern

Wenn die Welt wegen ein paar Menschen gerettet würde, dann wäre die Österreicherin Eva Maria Hobiger mit Gewissheit einer von ihnen. Und hin und wieder bemerkt das sogar jemand: Das ZDF-Magazin "Mona Lisa" hat ihr soeben den Titel "Frau des Jahres" verliehen.

Die ruhige, unscheinbare Fünfzigerin fährt seit drei Jahren in das südirakische Basra, um krebskranken Kindern zu helfen, und lässt sich von nichts abhalten: Heuer war die Onkologin bereits sechsmal dort, bis fünf Tage vor Kriegsbeginn und bereits wieder Ende April. Die Resultate ihrer Arbeit sind mit keinen Ehrungen hinreichend zu belohnen: Auf der Kinderkrebsstation des Ibn-Ghazwan-Krankenhauses ist die Sterblichkeit von "praktisch 100 Prozent" auf 40 gesunken. Im Südirak sind nach 1991 die Krebsfälle bei Kindern förmlich explodiert, was auf den Einsatz von mit abgereichertem Uran gehärteter Munition im Golfkrieg zurückgeführt wird.

Hobiger, die sich in den Neunzigerjahren in der Bosnien-Hilfe engagierte, hatte nach ihrem ersten Irak-Besuch 2001 spontan beschlossen, etwas zu tun; sie fand die Möglichkeit im Rahmen eines Projekts namens "Aladins Wunderlampe" der GÖAB (Gesellschaft für Österreichisch-Arabische Beziehungen), das von Spenden gespeist wird; zuletzt auch von einer "Personalkostensubvention" der Gemeinde Wien bis Juni. Denn Hobigers persönliche Ersparnisse sind aufgebraucht, die davor in Lainz tätige Ärztin ist seit drei Jahren karenziert.

Angst habe sie bei ihren Irak-Expeditionen - sie nimmt jeden Hilfsmitteltransport in Basra persönlich in Empfang - nicht, sagt sie: Ihr Leben lang durfte sie in einem der reichsten Länder der Erde leben, da könne man schon einmal etwas Risiko tragen. Die Sicherheitslage in Basra ist nach ihrer Aussage schlechter als je zuvor, auch Ärzte und Krankenhäuser werden angegriffen. Trotzdem steht die Kinderonkologie dank Hobiger heute besser da als je zuvor: Zuletzt wurde auch eine allgemeine Sanierung in Angriff genommen - und ein Spielzimmer mit Spielzeug für die Kinder gibt es nun auch.

Freunde bezeichnen die aus einer Wiener Arbeiterfamilie stammende Ärztin, die ihre Matura auf dem zweiten Bildungsweg machte, als eine "relativ katholische 68er-Linke". Sie ist ledig - natürlich, möchte man sagen, denn familienkompatibel ist ihr Engagement bestimmt nicht.

Ihre Familie sind die, denen sie hilft: Einer ihrer großen Verehrer ist der katholische Erzbischof von Basra, Gabriel Kassab, der ins Schwärmen gerät, wenn er von ihr spricht. Mit großer Wärme spricht Hobiger ihrerseits von ihrer irakischen Partnerärztin "Professor Jenan", der die "Wunderlampe" einige Wochen Weiterbildung im St.-Anna-Kinderspital ermöglichte. (DER STANDARD, Printausgabe, 1.12.2003)

von Gudrun Harrer

Spenden

Eva Maria Hobiger kann über BA-CA Bankleitzahl 12.000
Konto-Nummer: 0055-52 880/03
Stichwort: Kinder im Irak
unterstützt werden

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    Eva Maria Hobiger

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