Aznar: Agenten waren sich des Risikos bewusst

2. Dezember 2003, 10:45
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"Profis und gute Spanier" - Entsetzen in Spanien über Fernsehbilder

Mit seiner vorbehaltlosen Unterstützung des US-Militärschlags gegen Saddam Hussein handelte Premierminister Aznar gegen den Willen einer Mehrheit der spanischen Bevölkerung. Es sei, so rechtfertigte Aznar die einsame Entscheidung, die Pflicht eines Politikers, "unpopuläre und schmerzliche" Handlungen zu setzen, wenn sie langfristig dem Wohl des Landes dienen.

Am Tag, an dem die sieben Leichen der südlich von Bagdad in einem Hinterhalt getöteten Geheimdienstagenten in ihre Heimat rückgeführt wurden, sank die Zahl der Befürworter der auf dem "Azoren-Gipfel" besiegelten Allianz auf einen Tiefpunkt. Bestürzt reagierten die Spanier auf Fernsehbilder vom Schauplatz des Massakers: Nachdem die Saddam-treuen Fedayin abgezogen waren, zerrten Passanten die Agenten aus den verkohlten Fahrzeugen, plünderten ihre Habe, Jugendliche vollführten neben den Leichen einen Freudentanz.

"Profis und gute Spanier"

Die Politik reagiert indes wie erwartet: Aznar verlas eine Erklärung, in der die getöteten Mitglieder der Militärabwehr CNI als "Profis und gute Spanier" bezeichnet werden, denen das Risiko ihrer Mission bewusst gewesen sei. Sozialisten-Chef Rodriguez Zapatero, der seine Ablehnung des Waffengangs in der Kampagne für die im März stattfindenden Parlamentswahlen einsetzen will, hat für einen Tag die politische Kontroverse hintangestellt und bezeichnete die sieben Opfer als "Söhne und Brüder aller Spanier".

Nur der Vorsitzende der kommunistischen IU schloss sich der von Pietät diktierten "Waffenruhe" nicht an. Gaspar Llamazares nannte den Einsatz von 1300 spanischen Soldaten im Irak eine "illegitime Besetzung in einem illegalen Krieg" und forderte den sofortigen Abzug der Truppen. (DER STANDARD,Printausgabe,1.12.2003)

Josef Manola aus Madrid
  • Bild nicht mehr verfügbar

    Jose Maria Aznar bei der Rechtfertigung seiner Politik

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