Forschung fehlt eine Milliarde

16. Jänner 2004, 20:50
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Auch Nachwuchsmangel von 500 bis 1000 Wissenschaftern

Wien - Von Experten wird die jüngste Forschungsinitiative der Bundesregierung als Schritt in die richtige Richtung begrüßt. Insbesondere die erhöhte steuerliche Absetzbarkeit von Forschungsaufwendungen werde nun EU-weit nur noch von Spanien und Portugal übertroffen, sagte Karl Aiginger, stellvertretender Leiter des Wirtschaftsforschungsinstitutes (Wifo) am Freitag.

Allerdings, so Aiginger, sei man vom Regierungsziel einer Forschungsquote von 2,5 Prozent vom Bruttoinlandsprodukt bis ins Jahr 2006 noch "meilenweit entfernt". Die Finanzierungslücke bis 2006 betrage 1,3 Milliarden Euro. Davon seien nun erst 300 Millionen Euro aus verschiedenen Quellen bereitgestellt worden.

Auch die Forschungsstiftung bei der Nationalbank - aus der je nach Berechnung 65 oder 95 Mio. Euro jährlich zur Verfügung stehen - könne nur ein Anfang sein. Aiginger plädierte für die Verwendung von Privatisierungserlösen für die Forschung und für eine substanzielle Beteiligung der Länder an den Forschungsaufwendungen des Bundes.

Nicht nur an Finanziellem mangelt es der heimischen Forschung, auch an Nachwuchs. Der stellvertretende Vorsitzende des Rats für Forschung und Technologieentwicklung (RFT), Günther Bonn, sprach von - je nach Konjunkturlage - 500 bis 1000 fehlenden Wissenschaftern pro Jahr. Insbesondere fehlte auch der weibliche Forschungsnachwuchs.

Bonn regte in diesem Zusammenhang spezielle Rückholaktionen von Forschern im Ausland sowie Frauenförderprogramme an. An Ersterem wird im Finanzministerium derzeit gearbeitet.

Auf der institutionellen Seite sprach sich Bonn, wie zuvor RTF-Vorsitzender Knut Consemüller, für die Einbeziehung des Fonds der wissenschaftlichen Forschung (FWF) in das bisher nur für die wirtschaftsorientierten Fördereinrichtungen des Bundes geplante "Haus der Forschung" aus. Hier beweise die Regierung "nur den halben Mut".

Die ins Treffen geführten Unabhängigkeitsprobleme des FWF innerhalb der neuen Gesellschaft sieht Bonn nicht, wenn man dem FWF ein bestimmtes Fördervolumen zur Verfügung stelle und die Politik auf die konkrete Vergabe keinen Einfluss habe. (miba/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 27. 11. 2003)

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