Ist Qualifizierung ein Erfolgsfaktor?

1. Juni 2004, 12:04
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Blitzlicht in die Zukunft: Weiterbildungsbudgets bleiben knapp, Linienmanager gewinnen an Bedeutung - Gedanken über Arbeitsmarkt und Bildungstrends von morgen machten sich Experten bei der Personal Austria

Arbeitskräfte von morgen werden keinen klassischen Beruf erlernen, den sie ihr Leben lang ausüben werden. Die künftige Wissensgesellschaft wird ein Portfolio an Fähigkeiten anzubieten haben, das sie von der Lohnabhängigkeit hin zur Selbstständigkeit führen wird. So lautet jedenfalls die Prognose von Trendforscher Mathias Horx.

Rüstzeug für "zukunftsfitte" Mitarbeiter

Welches Rüstzeug "zukunftsfitte" Mitarbeiter brauchen und welche Bildungstrends sich künftig abzeichnen werden, waren Themen einer Podiumsdiskussion im Zuge der "Personal Austria".

Ingeborg Friehs, stellvertretende Landesgeschäftsführerin des AMS Wien, betonte: "Weiterbildungsbudgets werden weiterhin ein knappes Gut bleiben, wobei im Zuge des Wandels der Stellenwert von Mitarbeitern wachsen wird - sie werden zur wichtigsten Ressource werden." Aus diesem Grund habe das AMS für die Prävention und Hilfe beim Wiedereinstieg von Arbeitslosen alleine in Wien ein Förderbudget von 197 Mio. Euro bereitgestellt.

Jeder Cent wird umgedreht

Auch Nikki Harramach, Geschäftsführer von Harramach und Partner sowie Sprecher der Österreichischen Wirtschaftstrainer, weiß: "Wenn es um Weiterbildung geht, wird jeder Cent umgedreht." Aus dieser Entwicklung kristallisiere sich auch ein gewisser Trend heraus: Das Linienmanagement wird künftig viel mehr Personalagenden übernehmen und somit an Bedeutung im Unternehmen gewinnen. Linienmanager werden den Bildungs-Output kontrollieren und somit den so genannten Return-on-Investment (ROI) prüfen. "Ohne einer ausgewogenen Kosten-Nutzen-Funktion können keine Weiterbildungsbudgets mehr kalkuliert werden", so Harramach.

"Künftig werden auch viel mehr Unternehmen auf Zeitarbeitskräfte zurückgreifen. Im Vorjahr verzeichneten wir eine Steigerung von 30 Prozent", erklärt Heinz Herczeg, Human-Resources-Manager der Trenkwalder Personaldienste. "Vor allem die Anzahl der Einsätze von kaufmännischem Personal wächst gegenüber jenem im Gewerbebereich stärker an", konstatiert Herczeg. Auch das Aufgabenspektrum würde zunehmend breiter werden - "Wir bekommen häufig Anfragen, ob wir beispielsweise Staplerfahrer mit EDV-Kenntnissen, Betriebselektriker mit SAP-Know-how oder Controller mit Führungserfahrung vermitteln könnten", so Herczeg. In der Praxis zähle für Unternehmen nicht das theoretische Wissen der Mitarbeiter, sondern das angewandte Know-how, ihre Flexibilität, Lernbereitschaft und Anschlussfähigkeit. Diese Skills will die Baumarktkette OBI bei ihren Mitarbeitern besonders fördern: "Für unsere Lehrlinge haben wir statt des dualen Ausbildungssystems ein triales entwickelt. Neben Berufsschule und Job besuchen sie im Sommer Workshops. Unser Ziel ist es, die Potenziale der jungen Leute weiterzuentwickeln, ihnen eine Perspektive zu geben - sonst gehen sie zum Mitbewerb", erklärt Andrea Grünstäudl, Director Human Resources bei OBI Österreich.

Zukunftsvision

Neben Wettbewerb und Globalisierung wird sich der Bildungssektor auch neuen Herausforderungen, wie Diversity-, Gender- und Cross-Corporate-Management stellen müssen, so der Tenor der Runde. Was die Wissensarbeiter von morgen erwartet, brachte Friehs auf den Punkt: "Ein mehrmaliger Berufswechsel, atypische Arbeitsverhältnisse, befristete Verträge und Projektarbeiter werden die neue Arbeitswelt prägen." (Silvia Stefan, DER STANDARD, Printausgabe, 22./23.11.2003)

  • Womit muss die künftige Wissensgesellschaft rechnen? - Ein mehrmaliger Berufswechsel, atypische Arbeitsverhältnisse, befristete Verträge und Projektarbeiter werden die neue Arbeitswelt prägen
    foto: mdi

    Womit muss die künftige Wissensgesellschaft rechnen? - Ein mehrmaliger Berufswechsel, atypische Arbeitsverhältnisse, befristete Verträge und Projektarbeiter werden die neue Arbeitswelt prägen

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