Geschichte jenseits von Jahreszahlen und Herrschernamen

9. Jänner 2004, 21:45
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"pastperfect" zieht der Disziplin wieder Fleisch auf die Knochen

Wer würde glauben die Gegenwart zu verstehen, wenn er die Namen, Zusammensetzungen und Legislaturperioden einiger ausgewählter Regierungen kennt - und sonst nichts? Geschichtsunterricht funktioniert jedoch immer noch zu einem wesentlichen Anteil auf dieser abstrakten Ebene - und negiert damit, dass das Alltagsleben in jeder beliebigen Epoche genauso vielfältig und interessant war wie heute.

2000 gründeten junge WissenschafterInnen und MediendesignerInnen in Österreich den mit einem Webprojekt verbundenen Verein "pastperfect", der es sich zur Aufgabe gemacht hat, wenigstens die Geschichte Europas im 16. Jahrhundert wieder mit ihrem alten Leben zu füllen.

Interdisziplinärer Ansatz

Wie streng oder gut roch man zur Renaissance-Zeit? Was hatte es mit den Kindern des Papstes auf sich? Wie sah der Lehrplan in der "Schule der Sodomie" aus? Ab wann "taugten" Kinder zur Arbeit? Warum hängten um 1550 derart viele deutsche Metzger ihren Job an den Nagel? Fragen dieser Art können das Beschäftigen mit einer Epoche wesentlich interessanter machen als das Herunterbeten von Jahreszahlen- und Herrschernamen-Mantras.

Durch eine Vielzahl von Herangehensweisen aus Bereichen wie Gender Studies, Wirtschaft, Kulturwissenschaft und anderen soll die Welt des 16. Jahrhunderts in ihrer Fülle nacherlebbar werden. Und in virtuellem Sinne auch begehbar:

Das Web-Projekt

... dafür sorgt die Präsentationsweise von "pastperfect", das sich als Netzwerk zwischen Wissenschaft, Informationstechnologie und Medienkunst versteht. Die Website von "pastperfect" lädt zu einer virtuellen Reise ein, für die bislang über 600 Texte verknüpft wurden - das Navigieren durch die kreativ gestaltete Hypertext-Welt ist dabei ebenso informativ wie unterhaltsam.

Interaktivität spielt dabei eine wichtige Rolle: Ursprünglich ins Leben gerufen von einem Team rund um den Kulturwissenschafter Jakob Krameritsch und die MediendesignerInnen Susanne Schuda und Florian Schmeiser, und unterstützt vom Universitätsprofessor Wolfgng Schmale vom Institut für Geschichte der Uni Wien und VanGogh TV, stammen die bislang vernetzten Texte von mehr als 70 AutorInnen. Der "Online-Wissenspark" versteht sich somit auch als Einladung an Lehrende, Studierende und SchülerInnen - oder einfach thematisch Interessierte. (red)

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