Ainbergers "Weihnachtswünsche"

Redaktion, 26. November 2003, 18:57

Gekündigter Kurator der diagonale04 präsentiert Vorschläge für Filmszene

Wien  -  Wolfgang Ainberger, der nach harscher Kritik an den "Diagonale"-Vorbereitungen kürzlich gekündigte Österreich-Kurator des Filmfestivals, hat gegenüber der Austria Presse Agentur "Wünsche an den Weihnachtsmann den österreichischen Film betreffend" festgehalten. Unbescheiden ist die Wunschliste nicht ausgefallen, steht doch ganz an erster Stelle:

Rücktritt der Diagonale-Leitung

"Die installierte Diagonale Leitung tritt zurück. Oder: Der Staatssekretär kündigt diese und erklärt, sich in dieser Bestellung geirrt zu haben und getäuscht worden zu sein. Wir Österreicher sind ja groß im Verzeihen."

"Seit über 30 Jahren setze ich mich sehr für den österreichischen Film ein und konnte auch viel bewirken. Mit diesem Schreiben möchte ich darauf hinweisen, was man alles verbessern und so rasch wie möglich in die Tat umsetzen sollte. Ich verhehle nicht, dass ich diese Wünsche auch einer breiteren Öffentlichkeit zu Gehör bringen möchte. Ich hoffe auf Reaktionen."

Neugründung und Neuausschreibung

In Sachen "Diagonale" wünscht sich Ainberger außerdem die sofortige Einstellung der Subventionen und eine "interne Revision der verbleibenden Mittel, Preisgelder, Sponsorenleistungen etc.", die "Bestellung eines interimistischen Leiters der diagonale04, der mit den noch vorhandenen Mitteln und seiner Mitarbeit aus zwei Veranstaltungen eine nach den Wünschen der österreichischen Filmschaffenden und dem Publikum würdige macht", eine Neugründung des Trägervereins sowie eine sofortige Neuausschreibung der Leitung unter Einbeziehung aller Verbände.

"Die Findung muss bis Februar 2004 abgeschlossen sein, damit das neue Team zielführend und effizient ein Jahr zur Planung und Vorbereitung hat", so Ainberger in seiner Punktation weiter. Die Findungskommission solle genau prüfen, "wie weit durch die Nebenleiste der südosteuropäischen Länder eine sinnvolle kulturelle und filmwirtschaftliche Synergie mit dem österreichischen Film erstellt werden kann."

Konsensbasis für Leitung des österreichischen Filminstitutes

Auch zu weiteren filmpolitischen Fragen wie der Neubestellung der Leitung des österreichischen Filminstitutes (ÖFI) wünscht sich Ainberger etwas. Diese "soll nicht über das Knie gebrochen werden und genug Zeit erhalten, auf Grund einer breiten Konsensbasis die geeignete Person zu finden. Direktor Schedl soll eingeladen werden sich ebenfalls zu bewerben oder wenigstens der neuen Leitung für ein Jahr zur Seite stehen zu können." Kuratorium und Auswahlkommission von ÖFI und Wiener Film Fonds (WFF) sollten in Zusammenarbeit mit dem Dachverband nachjustiert oder neu besetzt werden. Weiters sollten die Einreichrichtlinien überarbeitet werden, wobei Erstlingsfilme verstärkt unterstützt werden sollen, dem "in Eigenverantwortung selbst produzierten Film" sollen Förderungsmittel gewährt werden und der WFF soll für seine ohne dem ÖFI kofinanzierten Projekte mit dem ORF eine gemeinsame Kommission erhalten.

Auch der ORF ist teilweise Adressat von Ainbergers weihnachtlichen Wünschen: Er solle etwa alle ihm vorgelegten Projekte, soferne sie nicht gegen das Rundfunkgesetz verstoßen, in einem erweiterten Umfang kofinanzieren, den österreichischen Film in all seinen Erscheinungsformen "so angemessen und prominent wie möglich promoten und programmieren" und sich verstärkt "um jene österreichischen RegisseurInnen, Filmschaffende und SchauspielerInnen bemühen, die höchst erfolgreich nur mehr im Ausland arbeiten."

Filmförderung der Bundesländer

Und schließlich wünscht sich Ainberger verstärkt Filmförderung der Bundesländer, insgesamt eine "Mittelaufstockung, die im europäischen Schnitt liegt", die Etablierung eines "unabhängigen Rats der Weisen" durch die Bundesregierung, der mindestens vierteljährlich eine Analyse der filmpolitischen Lage und Entwicklung abgeben soll, sowie die "rascheste Schaffung von steuerlichen Erleichterungen bei der Produktion, dem Verleih und Kinoauswertung österreichischer Filme". (APA)

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.