Flirten und Dating im Publikumsrat

1. Dezember 2003, 19:36
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Programmausschuss: "The Bachelor" und "DisMissed" nicht mit ORF-Auftrag vereinbar - Jugendschutzbedenken bei "DisMissed"

Flirten und Dating standen am Mittwoch auf der Tagesordnung, als der Programmausschuss des ORF-Publikumsrats zusammentrat. Freilich wurden die Publikumsvertreter nicht selbst tätig, sondern erörterten die kontroversiellen ORF-Formate "Der Bachelor" und "DisMissed". Die beiden Shows seien mit dem öffentlichen Auftrag des ORF nicht vereinbar, so der "Konsens", berichtete Ausschussvorsitzender Andreas Kratschmar. Vom ORF soll der Publikumsrat in seiner Plenungssitzung am kommenden Montag Begleitmaßnahmen fordern.

"Klare Strategie" gefordert

Vorbereitet wurde am Mittwoch ein Antrag, der konkret fordert: Der ORF soll Frauen- und Männerbilder in den Unterhaltungsformaten wissenschaftlich untersuchen lassen und sie in Diskussionssendungen und Berichterstattung verstärkt thematisieren. Außerdem fordere man eine "klare Strategie" von der ORF-Geschäftsführung, "wie künftig auf internationale Programmtrends reagiert wird, wie das ja auch diese Dating-Formate sind", so Kratschmar, der für die Politische Akademie der ÖVP im Publikumsrat sitzt. "Mir ist bis jetzt nicht bekannt, dass es so eine Strategie gibt. Da ist ein klares Qualitätsbewusstsein notwendig."

Folge von "DisMissed" wird von Tolar begutachtet

Jene Folge von "DisMissed", in der zwei Schwule um einen Dritten wettflirten, werde nun der Publikumsrat Günter Tolar begutachten, berichtete Kratschmar weiter. Der ORF hatte die geplante Nicht-Ausstrahlung der Folge unter anderem mit Jugendschutzbestimmungen begründet. Die sind nach Ansicht der Publikumsräte aber generell an "DisMissed" anzulegen. "Diese Serie weist eine klare Tendenz zur Sexualisierung auf, am Samstag um 17.00 Uhr schaut aber nicht nur die jugendliche Zielgruppe zu, sondern auch Kinder. Da ist der Sendeplatz ohnehin zu überdenken." In der nächsten Sitzung des Programmausschusses werde man sich daher mit dem ORF-Jugenschutzbeauftragten Jörg Ruminak zusammensetzen, kündigte Kratschmar an.

"Offen gesagt" zu Frauen- und Männerbildern geplant

Die verstärkte Auseinandersetzung des ORF mit Frauen- und Männerbilder könnte schon am kommenden Wochenende ihren Anfang nehmen. Dem Vernehmen nach soll die Diskussionssendung "Offen gesagt" diesem Thema gewidmet sein. Dies sei "möglich", allerdings stehe das Thema noch nicht fest, hieß es dazu im ORF. (APA)

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