Diagonale nach Ainbergers Kündigung: Morak sucht
Gespräch
Wien - Miroljub Vuckovic will keine Stellungnahme abgeben - er ist gerade in
Moskau, um serbische Filme zu promoten. Das Staatssekretariat erklärt den
Konflikt einmal mehr zu einer internen Sache der Diagonale. Nur der
Geschäftsführer des neuen, mehr denn je von Krisen gebeutelten Festivals
des österreichischen Films, Tillmann Fuchs, ließ sich zu einem Statement zur
am Dienstag erfolgten Kündigung des Österreich-Kurators Wolfgang Ainberger
bewegen:
Ainberger, der kürzlich in einem Brief an Fuchs, der auch im STANDARD
publiziert wurde, Kritik an der bisherigen Organisation und
Nichtkommunikation mit der Filmbranche übte, habe, so Fuchs, "mit seiner
Vorgangsweise gegen die elementaren Grundsätze von 'Treue und Anstand'
verstoßen, wie man sie von einem Vertragspartner erwarten kann".
Ainbergers Kritik sei "unhaltbar" und "substanzlos". "Darüber hinaus hat er in
diesem Schreiben selbst erklärt, die ihm übertragene Aufgabe nicht
bewältigen zu können." Auf die Frage, ob aus demselben Grund auch
Vuckovic gehen müsse, wollte Fuchs nicht eingehen.
Im Staatssekretariat erklärt man nun immerhin, mit dem Dachverband der
Filmschaffenden erneut Gespräche führen zu wollen. Auf eine
parlamentarische Anfrage von SP-Kultursprecherin Christine Muttonen
formulierte immerhin erstmals VP-Bundeskanzler Schüssel seine Sicht des
Diagonale-Konflikts: Es sei "bedauerlich, wenn manche Filmschaffenden
nicht das Gespräch mit der dialogbereiten Vereinsleitung suchen und
möglicherweise einer emotionalen Ebene den Vorzug vor einer sachlichen
geben". "Die Diskussion der Kritiker", so Schüssel, reduziere sich "auf
Vermutungen, jedoch nicht auf Fakten". (cp/DER STANDARD, Printausgabe, 26.11.2003)