Mögliche neue Fälle werden geprüft

3. Dezember 2003, 20:29
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Rund 100 Hinweise wegen Kindesmissbrauch bei Staatsanwaltschaft eingegangen - Jacksons Verteidiger heuerten Privatdedektiv an

Die Ermittler im Michael-Jackson-Fall gehen inzwischen zahlreichen Angaben über mögliche sexuelle Belästigungen weiterer Kinder durch den Pop-Star nach. Ungefähr 100 Hinweise seien von der Staatsanwaltschaft in Santa Barbara (US-Bundesstaat Kalifornien) als ernst zu nehmen eingestuft worden, berichtete am Dienstag die "New York Post". Derweil gehen Jacksons Anwälte in die Offensive und versuchen, Zeugen der Anklage zu diskreditieren.

Mögliche neue Fälle

Staatsanwalt Thomas Sneddon hatte die Öffentlichkeit am vergangenen Mittwoch bei der Bekanntgabe des Missbrauchsverdachts gegen Jackson in einem Fall um Hinweise auf sexuelle Belästigungen weiterer Kinder gebeten. Insgesamt seien dort tausende Anrufe eingegangen, berichtete die Zeitung. Mit der formellen Anklageerhebung gegen Jackson, der gegen eine Kaution von drei Millionen Dollar (2,55 Millionen Euro) auf freiem Fuß ist, wird kurz vor Weihnachten gerechnet.

Privatdedektiv angeheuert

Jacksons Verteidiger haben den umstrittenen Privatdetektiv Zvonko "Bill" Pavelic angeheuert, der belastendes Material über Zeugen der Anklage besorgen soll. Die Anwälte wollen den Vorwurf des Kindesmissbrauchs gegen den Pop-Star laut US-Medienberichten vor allem dadurch entkräften, dass sie die Mutter des in den Fall verwickelten zwölfjährigen Buben verunglimpfen. Die Frau solle als geldgierige Drogensüchtige dargestellt werden, berichtete der US-Fernsehsender Fox.

"Massive Attacke" gegen Staatsanwalt geplant

Außerdem planten "Jackos" Anwälte eine "massive Attacke" gegen Staatsanwalt Tom Sneddon, der die Ermittlungen gegen den Sänger leitet. Sie wollen nachweisen, dass der Staatsanwalt Jackson schon seit Jahren aus persönlichen Motiven verfolgt und ihn damit als befangen darstellen. Mit einer "Verleumdungskampagne" sei zu rechnen, berichtete der Sender NBC.

Pavelic, ein ehemaliger Kriminalbeamter bei der Polizei von Los Angeles, habe bereits früher für Jacksons Anwalt Mark Geragos gearbeitet. Der Privatdetektiv spielte laut NBC im Mordprozess gegen den einstigen Footballstar O.J. Simpson eine unrühmliche Rolle, indem er Zeugen beeinflusste.

"Die haben versucht, sie zu verstecken"

Nach Angaben des Magazins "Newsweek" haben Beauftragte Jacksons bereits im Frühjahr der Familie des Buben, der ihn später vor Ermittlern der sexuellen Belästigung beschuldigte, Unterstützung bei der Übersiedlung in ein lateinamerikanisches Land angeboten. Für die Mutter und deren drei Kinder hätten Jacksons Leute sogar die Pässe besorgt. "Die haben versucht, sie zu verstecken", zitiert das Magazin am Dienstag in seiner neuen Ausgabe einen nicht näher bezeichneten "Freund" der Familie.

Frau und Kinder sollten außer Landes gebracht werden

Der Versuch, die Frau und ihre Kinder außer Landes zu bringen, wurde laut "Newsweek" unternommen, nachdem der Bub im Februar durch einen britischen Dokumentarfilm bekannt geworden war. Darin sei er Hand in Hand mit Jackson erschienen und habe berichtet, dass er und auch sein Bruder in Jacksons Bett übernachtet hätten. Jackson und der Bub berichteten in dem Film, dass die Übernachtungen nichts mit Sex zu tun hätten.

Nach Angaben von "Newsweek" war das Kind durch den Kabarettclub-Besitzer Jamie Masada mit Jackson zusammen gebracht worden. Masada unterstützt ein Sommerlager für Kinder von armen Familien. Er habe dem Buben, der unter einer Krebserkrankung litt, Mut machen wollen, berichtete Masada nach Angaben des Magazins. Als Preis dafür, dass er richtig esse und mutig gegen die Krankheit kämpfe, habe er ihm Begegnungen mit Stars in Aussicht gestellt.

Heftige Vorwürfe

Das Kind, das die Krebserkrankung später überwand, habe sich die Komödianten Chris Tucker und Adam Sandler sowie Jackson gewünscht. Die Begegnungen mit Tucker und Sandler habe er leicht vermitteln können, berichtete Masada. Um Jackson habe er sich sehr lange bemühen müssen, ehe der Bub auf dessen Neverland-Ranch eingeladen wurde, sagte Masada "Newsweek".

Nach Angaben der Zeitung "New York Daily News" bereut Masada inzwischen, dass er das Kind mit Jackson zusammenbrachte. Die Mutter habe ihm am Telefon heftige Vorwürfe gemacht. Er habe ihr geantwortet: "Was hätten Sie denn gemacht, wenn Sie einen Buben sehen, der vielleicht nur noch drei oder vier Wochen zu leben hat und sich wünscht, einmal Michael Jackson zu begegnen?" (APA/dpa)

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Stellungnahmen von Michael Jackson zu den aktuellen Vorwürfen auf der neu eingerichteten Homepage mjnews.us

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    screenshot: mjnews.us
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