Erinnerungsnachmittag in den Außenbezirken

15. Jänner 2004, 09:17
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Die "Miami Murder Show" des Wiener Volkstheaters

Seinen volksbildnerischen Auftrag setzt das Wiener Volkstheater seit einem halben Jahrhundert durch seine Spielserien in den (Außen-)Bezirken um. Im ehemaligen Franz-Domes-Lehrlingsheim ging 1954 mit George Bernard Shaws Helden die erste Premiere vonstatten. Mittlerweile ist man bei Nummer 359:

Die Miami Murder Show von Lida Winiewicz versammelt Holocaust-Überlebende an ihrem ungeliebten Alterssitz in Florida. Peter M. Preissler dirigiert die mittelalten Semester des Volkstheater-Ensembles durch ein im Gerüst lehrhaftes, allein aus seinem Figurensemble heraus wiederum ironisiertes Stück:

Auf einer Holzveranda (Ausstattung: Thomas Pekny) sitzen aufgefädelt: Thomas Stolzeti, Roger Murbach, Frank Michael Weber, Wolfgang Klivana, Herbert Prikopa, Manfred Jaksch und Werner Prinz als greise Freaks. Mitten hinein in den Erinnerungsnachmittag platzt in Gestalt der verhinderten Erbin Clara Rückert (Susanne Holl) die übernächste Generation: Ausgerechnet als Enkelin eines KZ-Arztes wird sie mit der von den Opfern eingeklagten Wahrheit konfrontiert. Die Hawaiihemd-Intermezzi (Pizzahändler, Touristen, der Immobilienhai) sind in dieser Inszenierung allerdings (nicht nur optisch) nicht mehr als billiger Schmuck. (afze/DER STANDARD, Printausgabe, 25.11.2003)

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