Der mit den Eingeweiden schreibt

13. Jänner 2004, 15:27
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Der Verleger Fritz Molden wird schon wissen, warum er Günther Nenning nicht nur gefragt hat, ob er bereit wäre, ein Buch mit dem Titel ...

... "Eine Krone bitte" zu schreiben - Untertitel Die Kronen Zeitung muß österreichisch bleiben -, sondern warum er es auch noch veröffentlicht. Andere Beobachter der heimischen Medienszene können da nur raten. Vielleicht wollte er eine wirkliche Novität in das Weihnachtsgeschäft werfen - das erste mit Eingeweiden geschriebene Buch. Was die Festesfreude dabei etwas beeinträchtigen könnte: Man riecht 's.

Der äußere Anlass ist ohnehin klar: In meinen schreibenden Eingeweiden entdecke ich die lauernde Bereitschaft zum Friedensschluß mit "den Deutschen", gibt der Autor einleitend sein Motiv bekannt, wobei er die Möglichkeit rektaler Produktion geschickt offen lässt. Wie schreibt man so ein Buch? Ich gebe die Füße auf den Schreibtisch (wegen der Venen), greife mir schön weißes Papier und einen gut fließenden Kugelschreiber und denke nicht nach, sondern fange an. Mit seiner Erfahrung als "Krone"-Kolumnist kann er sich das Nachdenken ruhig sparen. Meine Erfahrung ist: zuviel denken macht feig, in meinen schreibenden Eingeweiden ist eh schon alles parat.

Die Fairness gebietet, dass der Rezensent, ehe er zu einem Lob des Darmverschlusses anhebt, das patriotische Werk aufmerksam studiert, was eine halbe Stunde in Anspruch nimmt, wenn er sich bisher erschienener Dichand-Hagiografien und Nenning-Kolumnen enthalten hat, etwa zehn Minuten, wenn er die Aktualität des Buches - einen Schnellschuß kann man nur machen, wenn man schnell schießt - im Laufe der letzten Jahre aus den genannten Textsorten geschöpft hat. Kurz: Man kann die knapp 124 Kleinformat-Seiten Nenning - etliche davon sind gar nicht oder nur zur Hälfte bedruckt - bequem dort konsumieren, wo der Autor es einem nahe legt.

Seine Maxime, zuviel denken macht feig, soll als Konzession herhalten, billigste Anschleimerei als Löwenmut vor einem Herausgeberthron zu verkaufen, im Nebeneffekt adelt sie seinen Vorgänger Staberl zu einem Grandseigneur. Meine Freundschaft zu Hans Dichand und zur "Krone" ist das Endprodukt meiner unsinnigen Liebe zu Österreich, entlässt Nenning bereits in Zeile 14 ff. die Quintessenz seiner Peristaltik, und immer wiederkehrende Varianten dieser Übung machen Zweck und Bedeutung des Gesamtwerks klar.

Die WAZ soll aufhören mit ihrem Krieg gegen Hans Dichand und die "Krone" ... Ein Friedensschluß tut gut für alle Beteiligten. Ich stelle nur eine Bedingung: Hans Dichand, der große Journalist und Patriot, darf nicht zu Schaden kommen. Da bin ich 170 Prozent für ihn. Bei den 170 Prozent muss es sich um eine magische Zahl handeln, denn ein paar Seiten weiter heißt es schon wieder: Ich hab nur eine einzige Bedingung: die "Krone" muß österreichisch bleiben, ich steh 170prozentig zur österreichischen "Krone" und zu Hans Dichand.

Überhaupt ist Dichand für Nenning eine Art Jesus: Ich habe einen inneren Kompaß und folge ihm. Er erklärt mir nichts, sondern führt mich. Cato, du bist mein guter Hirte. Ganz versteh ich 's ja selber nicht, aber ich muß nicht alles verstehen, zumal nicht in meiner Biographie. Mir geht 's täglich mehr so, daß ich mein eigenes Leben nicht restlos verstehen will. Typischer Fall von credo quia absurdum. Wenn nur Cato sein Flehen erhört und ihn und seine schreibenden Eingeweide an sein Herz drückt!

Einmal, am 22. Jänner 2003, hat er vor Dichand seine Eingeweide in einer von Löwenmut zeugenden Art auch brieflich entleert. Voll Stolz auf seinen Nibelungendarm zitiert er: Lieber Hannes, es drängt mich, Dir zu sagen: ich bin mit Dir und der "Krone" voll solidarisch. Eine deutsche "Krone" wäre ein nationales Malheur. Ich will für unsere gute Sache alles tun, was in meiner - bescheidenen - publizistischen Macht steht. Angriff ist die beste Verteidigung! - Immer Dein Günther. Na dann - sursum intestina!

Kein Dichand-Kitsch darf fehlen, nicht der Hundeliebhaber, nicht der Familienmensch. Aber vor allem: Die "Krone" darf nicht zu Schaden kommen. Das sind wir Österreich schuldig. Und wiederum: Ich liebe mein Österreich mit einer ganz unsinnigen Liebe, und diese unsinnige Liebe treibt mich zur "Krone". Die erotischen Verirrungen eines ehemaligen Journalistengewerkschafters haben schwere patriotische Folgen. Meine Medientheorie ist schlicht und einfach: es muß in jedem Vaterland (Mutterland, Kinderland) eine große, mächtige Zeitung geben, die für dieses Vaterland bedingungslos eintritt.

Und er kann sein Werk mit der Vollzugsmeldung krönen: Was die "Krone" für Österreich geleistet hat, geht auf keine journalistische Kuhhaut. Soll noch einer sagen, seine Eingeweide wüssten sich nicht auszudrücken. (DER STANDARD; Printausgabe, 25.11.2003)

Von Günter Traxler
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